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Die Nacht ist in diesen Fahrten kein Sonderfall, sondern eine Rechengröße. Wer 500 Kilometer am Stück fährt, fährt durch die Nacht – die Frage war nie, ob, sondern wie man sie einrichtet.

In der Tabelle dieses Archivs steht die Nacht nicht als eigene Spalte, aber sie entscheidet mit: über die Startzeiten, über die Kontrollen, über die Reizmittel und darüber, was aus einem Fahrer zwischen zwei und fünf Uhr morgens wird. Die Quellen sprechen davon auffallend nüchtern.

Die Nacht als Teil der Rechnung

Bei Bordeaux–Paris 1891 wurde durchgefahren; 26 Stunden und 35 Minuten lassen keine andere Wahl. Berlin–Hannover 1896 startete um drei Uhr morgens, also in die Nacht hinein statt aus ihr heraus. Und bei Paris–Brest–Paris entschied die Nacht das Rennen: Charles Terront passierte Jiel-Laval in der dritten Nacht, während dieser schlief. Nicht die schnellere Fahrt gewann, sondern die kürzere Pause.

Was der Körper daraus macht

Die medizinische Beobachtung der Zeit hält für die Nacht einen eigenen Zustand fest. Philippe Tissié beschreibt 1897 den Sieger der ersten Bordeaux–Paris, George Pilkington Mills, als im Automatismus fahrend: Man musste ihn vom Rad heben, beim Absteigen brach er zusammen, für die Unterschrift an der Kontrolle war er kurz ansprechbar – und fuhr danach stark genug weiter, um ausgeruhte Schrittmacher abzuhängen. Ein Dreivierteljahrhundert später rechnet Richard Huschke dieselbe Sache in Stunden: zwölf Stunden Schlaf in sechs Tagen.

Der Zustand wurde also beobachtet, beschrieben und in Kauf genommen – aber nicht als Grenze behandelt, die man besser nicht überschreitet. Siehe auch Die Vermessung der Ermüdung und Reizmittel und Doping.

Licht

Was heute die Lampe leistet, war damals eine Frage der verfügbaren Technik: Kerzenlaternen, später Karbid. Wie weit die Fahrer dieser Jahre überhaupt beleuchtet fuhren, ist aus den vorliegenden Berichten nicht zu beantworten – die Quellen erwähnen Licht selten, und wenn, dann als Vorschrift der Polizei, nicht als Ausrüstung. Hier fehlen Belege; Beleuchtungsvorschriften und Lampenwerbung der 1890er Jahre wären der Einstieg.

Die Nacht als Erzählung

Auffällig ist, was in den zeitgenössischen Berichten nicht steht: Furcht. Die Nacht erscheint als Bedingung – kalt, lang, schlecht beleuchtet –, nicht als Prüfung des Charakters. Die Umdeutung zur zu bewältigenden Mutprobe ist jünger als die Praxis. Dazu der Essay „Der Schlaf der Vernunft“ auf grevet.de.

Was offen bleibt

Zu klären sind die Beleuchtungsvorschriften in den beteiligten Ländern, die tatsächlichen Schlafzeiten der Fahrer jenseits der beiden belegten Fälle und die Frage, ab wann Veranstalter Nachtfahrten eigens regelten – durch Startzeiten, Pflichtpausen oder Lichtpflicht.

Verwandt: Reizmittel und Doping · Die Vermessung der Ermüdung · Verpflegung und Kontrolle
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