827 Kilometer – den Römern und dem Rhein nach Norden folgen.

Finisherparty: Termin und Ort folgen

Basel–Kleve: den Rhein hinab, auf der Linie von 1894

1894 fuhren die Pioniere 620 Kilometer vom Oberrhein an den Niederrhein, in einem Zug; der neunzehnjährige Fritz Opel gewann in 27 Stunden und 50 Minuten. Der Supergrevet folgt dem Rhein heute auf eigenen Wegen: über den Schwarzwald zum Schauinsland, durch die Oberrheinebene, über den Hunsrück und in die Weite des Niederrheins bis Kleve. Selbstversorgt, ohne Wertung, mit einem gemeinsamen Start in Basel.

Neu 2027: Basel–Kleve fährst Du wahlweise in der Fassung Gravel oder Allroad. Gleicher Start, gleiches Ziel, gleiches Ticket. Beide Fassungen im Vergleich →
Gravelfahrer:innen mit Gepäck auf einem Radweg unter Bäumen
Auf den ersten Kilometern: Basel–Kleve 2026

Route · Anforderungen & Ablauf · Leistungen · Anmeldung · Geschichte

Auf einen Blick: Basel–Kleve 2027

Sa, 25. September 2027 · Basel → Kleve · rund 830 km und 4.600 hm · Solo ab 250 € · Gruppen ab 230 € p. P. · zzgl. 50 € Tracker-Pfand

Zur Anmeldung

Alle Eckdaten, Pflichten und Anspruch
StartSamstag, 25. September 2027, 10 Uhr, Basel (Kleinbasel)
VorabendFreitag, 24. September, Basel – Anreise am Freitag erforderlich: Check-in und Tracker-Ausgabe sind verpflichtend, das übrige Vorabendprogramm ist freiwillig (Ort und Zeitfenster folgen)
Streckerund 830 km und 4.600 hm mit zwei Höhenblöcken, selbstversorgt, gemeinsamer Start, keine Wertung – Referenzlinie 2026, für 2027 neu geprüft
ZielKleve, Zielort folgt · kein formaler Zielschluss · Finisherparty als offizielles Ende: Termin und Ort folgen
StartplatzSolo 250 € bis 28. Februar 2027, danach 265 € · Duo 245 € und Quartett 230 € pro Person – jeweils zzgl. 50 € Tracker-Pfand (rückzahlbar)
Anmeldunggeöffnet – jetzt Startplatz sichern →
AnspruchDie Linien sind so angelegt, dass Fahrer:innen, die zuvor eine Grevet-Serie erfolgreich durchlaufen haben, eine realistische Chance haben, sie bis zur Finisherparty zu beenden. Eine Erfolgsgarantie ist das nicht.
Pflichtunter anderem Reifen ab 35 mm, Licht, Ausrüstung für ein Notbiwak, Warnweste in Frankreich außerorts bei Dunkelheit, Versicherung mit Bergung und Rückholung, Ausweis (AGB Ziff. 11 und 20) · ärztliche Bescheinigung empfohlen · Empfehlung: Bikefitting für eine gute Sitzposition · mehr unter Rad & Ausrüstung und Vorbereitung

Fragen zu Fahrt, Vorbereitung oder Ausrüstung? Schreib uns über das Kontaktformular – gern mit ein paar Sätzen zu Deinem Hintergrund. Wir beraten Dich persönlich.

Verlauf, Länge und Höhenmeter können sich bis zum Start noch ändern, etwa nach Testfahrten oder wegen Sperrungen. Den finalen Track gibt es in der Eventwoche. Maßgeblich sind die AGB.

Die wichtigsten Informationen

Oberflächenprofil
Gravel bedeutet Weite – und genau das prägt die Distanzradfahrt Basel–Kleve. Zwischen Basel und Kleve wechselt der Untergrund mit der Landschaft: Bahntrassen und Waldwege im Schwarzwald, Dämme, Feld- und Uferwege am Oberrhein, mehr Asphalt in den Städten und am Niederrhein. Die Strecke ist überwiegend gut fahrbar, aber nicht überall glatt. Am Schauinsland gibt es sehr steile Rampen auf Schotter, eine steile Abfahrt und einen wurzeligen Singletrail, an denen Schieben vernünftig sein kann; zwischen Speyer und Mainz lagen 2026 einige kurze Schiebestellen, am Kaiserstuhl kurze Stücke Wiese und Kopfsteinpflaster. Den größten Teil der Fahrt rollst Du dagegen zügig – auf Dämmen, durch Auen und über lange Geraden. Vielbefahrene Straßen meidet die Linie, wo es geht. Kurze Verbindungsstücke gibt es trotzdem, etwa rund drei Kilometer Landstraße bei Stromberg im Hunsrück. Direkt in den Tracks hinterlegen wir Versorgungspunkte als POIs – von Supermärkten und Tankstellen bis zu Schutzhütten und Bäckereien. So bleibst Du selbstständig unterwegs, aber nie ganz allein.
Dein Rad: die Materialanforderungen
Für die Distanzradfahrt Basel–Kleve empfiehlt sich ein robustes, komfortables Gravel-Setup, das lange Distanzen und wechselnde Untergründe souverän meistert. Die Route ist grundsätzlich rollend, doch mit ihrem Mix aus Schotter, Waldwegen und alten Dämmen fordert sie Material und Fahrer:innen gleichermaßen. Wir empfehlen Reifen ab 38 mm Breite – ideal sind 40–45 mm mit gutem Pannenschutz. Breitere Pneus bringen zusätzlichen Komfort auf langen Geraden und geben Sicherheit, wenn die Wege ruppig oder bei Regen aufgeweicht sind. Mit reinen Semislicks bist du hier zu kompromisslos unterwegs – besonders auf feuchten Waldabschnitten oder grobem Schotter. Bei der Übersetzung solltest du auf eine solide Untersetzung setzen. Steile Rampen wie in den Mittelgebirgsübergängen oder am Schwarzwaldrand sind kurz, aber fordernd. Eine Kombination aus kleinen Kettenblättern und großem Ritzelpaket schont Kraftreserven und hält dich auch nach 400 Kilometern noch flüssig im Tritt. Faustregel: Je vielseitiger dein Setup, desto entspannter die Fahrt. Basel–Kleve belohnt das, was in der Pionierzeit schon galt – Technik, die funktioniert, wenn es darauf ankommt.
Fara GR3: ein Gravelrad, wie wir es für die Supergrevets empfehlen
Anreise

Anreise am Vorabend

Wir gehen davon aus, dass Ihr bereits am Vorabend, Freitag den 24. September, in Basel ankommt – damit Ihr am Samstag ausgeschlafen und ohne Zeitdruck an den Start geht. Ort, Uhrzeit und Ablauf des Vorabendprogramms geben wir rechtzeitig bekannt. Am Vorabend finden auch Check-in und Tracker-Ausgabe statt; Anreise und Check-in am Freitag sind verpflichtend – ohne Freitags-Check-in und Tracker-Ausgabe ist kein Start möglich.

Start in Basel

Der Start ist in Kleinbasel, nahe am Rhein; den genauen Startpunkt geben wir rechtzeitig vor dem Start bekannt. Die Stadt ist idealer Ausgangspunkt für eine Distanzfahrt: hervorragend angebunden, fahrradfreundlich, weltoffen. Vom Bahnhof Basel SBB sind es nur wenige Minuten bis zum Startbereich; wer möchte, kann den Morgen noch mit Blick auf den Rhein oder einem Kaffee in der Altstadt beginnen. Basel ist perfekt erreichbar – per Bahn, Fernbus oder Rad. Täglich verkehren internationale Züge aus Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz. Auch Nachtzüge, etwa über Zürich oder Freiburg, sind eine bequeme Option für die stressfreie Anreise mit Rad. Bahn & Bike – funktioniert, wenn man es richtig plant:
  • Direktverbindungen gibt es u. a. von Berlin, Frankfurt, Hamburg, Wien und Zürich.
  • Die SBB bietet im Nahverkehr flexible Fahrradmitnahme; für internationale Züge empfehlen sich Reservierungen – am besten direkt über SBB, ÖBB oder Trenitalia, da dort meist verlässlichere Buchungssysteme bestehen als über die Deutsche Bahn.
  • Nightjet-Verbindungen (z. B. Wien–Zürich–Basel oder Hamburg–Basel) sind ideal für die entspannte Anreise mit Gepäck und Rad.
Alternativ: Fernbus & Bike. Fernbusse (z. B. FlixBus) verbinden Basel regelmäßig mit deutschen Städten – die Fahrradmitnahme ist bei der Buchung wählbar. Gerade für Fahrer:innen aus dem Westen oder Süden Deutschlands ist das eine unkomplizierte und preiswerte Option. Vor Ort: Basel verfügt über ein gut ausgebautes Radwegenetz, zahlreiche Fahrradläden und Unterkünfte, die auf Radsportreisende eingestellt sind. Die Stadt selbst ist Teil der Basler Velostrategie und damit Symbol für eine moderne, nachhaltige Mobilität – genau der richtige Ort, um auf historischen Spuren neu zu starten.
Unterbringung

Unterkunft in Basel

Die Unterbringungsmöglichkeiten in Basel sind vielfältig – von Boutiquehotels über einfache Hostels bis zu Campingplätzen direkt am Rhein. Als Grenzstadt zwischen Schweiz, Deutschland und Frankreich ist Basel bestens auf internationale Gäste eingestellt – auch mit Rad. Sehr gute Erfahrungen haben wir bei vergangenen Besuchen mit dem Hotel Odelya Basel gemacht – zentral gelegen, fahrradfreundlich und mit einem Frühstück, das alle Bikepacker:innen glücklich macht. Ebenfalls empfehlenswert: das Hyve Hostel Basel, nur wenige Minuten vom Bahnhof Basel SBB entfernt, mit sicherer Fahrradaufbewahrung und entspannter Atmosphäre.

Für alle, die lieber unter freiem Himmel schlafen:

Camping Waldhort in Reinach (Basel-Landschaft) liegt ruhig am Waldrand, nur rund 8 km vom Stadtzentrum entfernt. Große Zeltwiesen, gepflegte Sanitäranlagen und ein angenehmes, radfreundliches Umfeld machen ihn zur besten Wahl für Bikepacker:innen. Er ist bequem per Rad oder Tram erreichbar – und perfekt, um am Vortag der Fahrt nochmal tief durchzuatmen. Alternativ bietet sich das Camping und Schwimmbad am Rhein in Kaiseraugst an – direkt am Fluss, mit Zugang zum Rheinradweg EuroVelo 15 und rund 15 km vom Startpunkt entfernt. Hier kann man sich im Wasser erfrischen, im Restaurant essen oder einfach am Ufer entspannen.
Übernachtung während der Fahrt

Selbstversorgung und Übernachtung – Basel–Kleve

Bei der Distanzradfahrt Basel–Kleve handelt es sich um eine Selbstversorgerfahrt. Das bedeutet: Ihr seid selbst verantwortlich für Eure Verpflegung, Übernachtung und Pausengestaltung. Ob Ihr lieber spontan mit der Hängematte im Grünen rastet oder Euch in ein Gasthaus oder Hotel einquartiert, ist Eure freie Entscheidung. Der Kodex solcher Fahrten sieht jedoch vor, dass Übernachtungen nicht im Voraus von zu Hause aus gebucht werden, sondern frühestens unterwegs. Lasst Euch also auf das Abenteuer ein und reagiert flexibel auf Wetter, Strecke und Tagesform. Wir geben Euch in der Strecken-Mail ausführliche Empfehlungen zu Pausen-, Verpflegungs- und Übernachtungspunkten entlang der Route – vom einfachen Zeltplatz am Rhein bis zur kleinen Pension im Münsterland. Wir können allerdings nicht garantieren, dass diese jederzeit verfügbar sind. Achtet daher darauf, rechtzeitig einen geeigneten Schlafplatz zu finden und haltet immer einen Plan B bereit. Ein paar Hinweise zu den Ländern entlang der Strecke:
  • In der Schweiz und in Baden-Württemberg ist Wildcampen grundsätzlich nicht erlaubt.
  • In Rheinland-Pfalz und NRW wird es teils toleriert, sofern Ihr unauffällig und ohne Spuren zu hinterlassen biwakiert – aber das geschieht auf eigene Verantwortung.
  • Campingplätze entlang des Rheins sind häufig und meist auch kurzfristig verfügbar.
Bleibt bitte respektvoll gegenüber Natur, Anwohner:innen und Landbesitzern. Der Geist der Distanzfahrt lebt von Eigenständigkeit, Rücksicht und Improvisation.
Abreise

Kleve & Rückreise

Kleve ist der nördliche Schlusspunkt der Distanzfahrt Basel–Kleve – ruhig gelegen, aber bestens angebunden für die Heimreise mit oder ohne Rad. Egal, ob Ihr nach Süden zurück müsst oder weiter Richtung Niederlande rollt: Von Kleve aus kommt Ihr unkompliziert weg.

Rückreisemöglichkeiten

  • Bahn (DB / Abellio / NIAG)Regelmäßige Regionalverbindungen ab Kleve Hbf Richtung Duisburg, Köln oder Düsseldorf.Von dort aus bestehen Fernzug- und Nachtzuganschlüsse in alle Richtungen.Fahrradmitnahme ist in den Regionalzügen in der Regel problemlos möglich – eine NRW-Fahrradtageskarte reicht aus. → www.bahn.de
  • FernbusseNahegelegene Fernbusverbindungen gibt es ab Nimwegen (NL) oder Duisburg / Düsseldorf.Dort fahren Busse Richtung Süddeutschland, Schweiz und Österreich.Fahrradmitnahme ist bei Anbietern wie FlixBus gegen Aufpreis und Reservierung möglich. → www.flixbus.de
  • Weiterfahrt per RadWer noch nicht genug hat, kann von Kleve aus flach durch die Niederlande rollen – Richtung Arnheim, Nimwegen oder weiter an die Nordsee.Entspannte Radwege, Campingplätze und Bahnhöfe liegen dicht beieinander.

Finisherparty

2026 haben wir die Finisherparty beim Cycle Collective in Meerbusch gefeiert. Termin und Ort der Finisherparty 2027 geben wir rechtzeitig bekannt.

Tipp zur Planung

Plane bei der Rückreise etwas Zeitpuffer ein, besonders mit Rad – Fahrradplätze in Fernzügen sind reservierungspflichtig und oft früh ausgebucht. In Regionalzügen ist die Radmitnahme in der Regel ohne Reservierung möglich, zu Stoßzeiten aber begrenzt. Finisherparty Basel–Kleve 2026 beim Cycle Collective in MeerbuschAnkunft an der Schwanenburg in Kleve, Basel–Kleve 2026

Die einzelnen Streckenabschnitte

Die Route* folgt dem Rhein von Basel bis Kleve, aber sie bleibt nicht an ihm: Zweimal steigt sie weit über das Tal hinaus, dazwischen liegen Ebenen, Städte und Industrie. 2026 maß sie etwa 827 Kilometer und 4.627 Höhenmeter; für 2027 prüfen wir sie bei Testfahrten neu. Die Beschreibung folgt der Linie von 2026 in Fahrtrichtung; Versorgungslücken und Zeitangaben sind Erfahrungswerte aus Scouting und Fahrt 2026.
Abschnitt 1: Basel – Todtnau
Start ist in Kleinbasel; 2026 begann die Linie am Eglisee, und schon nach knapp einem Kilometer lag die erste Grenze: der Eiserne Steg, eine einspurige Holzbrücke, bei Nässe rutschig. Danach geht es ins Wiesental, zuerst neben der Wiesentalbahn über Riehen und Schopfheim bis Zell. Dort wechselt die Linie auf die Trasse des Todtnauerli, einer 1967 stillgelegten Meterspurbahn; auf ihrem Damm liegt heute der Wiesental-Radweg. Auf rund 50 Kilometern steigt das Tal von gut 250 auf etwa 670 Meter – Bahnsteigung, keine Rampen, überwiegend Feld- und Radwege. Genau das täuscht: Die ersten Stunden fühlen sich leicht an, und das Tempo gerät schnell zu hoch. Was Du hier zu viel ausgibst, fehlt Dir später auf den langen Kilometern. Planerisch zählt Todtnau: der letzte größere Ort vor dem Anstieg, erreicht noch am Samstag. Füll dort Flaschen und Taschen, bevor der Schwarzwald ernst wird.
Basel–Kleve: im Wiesental am Rand des Schwarzwalds
Abschnitt 2: Todtnau – Schauinsland – Freiburg
In Todtnau endet die Bahntrasse, und der eigentliche Anstieg beginnt. Bis zum Notschrei sind es rund 450 Höhenmeter auf sechs Kilometern; bei Aftersteg liegt die steilste Passage der Fahrt, rund zwei Kilometer mit im Mittel über 13 Prozent, stellenweise nahe 20. Kurz darauf folgen eine sehr steile Abfahrt und ein wurzeliger Singletrail – beide eher zum Absteigen. Über Hofsgrund geht es auf Schotter und Waldwegen zum Schauinslandturm, mit etwa 1.280 Metern der höchste Punkt der Linie; kurz davor wartet noch eine Rampe mit 12,5 Prozent auf Schotter. Schieben ist hier keine Frage der Technik, sondern von Steigung, Untergrund und Gepäck. Oben kann anderes Wetter herrschen als in Basel: Nebel und Wind am Turm sind Ende September möglich, auch wenn im Tal die Sonne scheint. Zieh warme Schicht und Handschuhe vor der Abfahrt an – rund 1.000 Höhenmeter hinunter nach Freiburg kühlen schnell aus.
Abschnitt 3: Freiburg – Kaiserstuhl – Straßburg
In Freiburg ist der Schwarzwald vorbei, und die Stadt ist die erste volle Versorgung seit Basel – nutz sie, denn danach wird es dünn. Die Linie zieht an den Kaiserstuhl, mit kurzen Stücken Wiese und Kopfsteinpflaster, und dann hinaus in die Ebene Richtung Straßburg. Das Land wird weit und offen, Feldwege, Dämme und ruhige Nebenstraßen wechseln sich ab, und die Beine melden jetzt, was der Vormittag gekostet hat. Auf diesem Abschnitt liegen gut 50 Kilometer ohne Laden und Trinkwasser direkt an der Linie. Tagsüber ist das planbar, in der Dämmerung schwieriger: Die Sonne geht Ende September gegen 19:20 Uhr unter, und nach unseren Zeitschätzungen von 2026 erreichen die meisten Straßburg erst im Dunkeln. Kauf deshalb vor der Lücke ein, solange es hell und Samstag ist – und montier die Lampen, bevor Du sie brauchst.
Basel–Kleve: Schotter an einer Kiesgrube in der Oberrheinebene
Abschnitt 4: Straßburg – Lauterbourg – Speyer
Straßburg zeigt sich auf der Linie nicht von seiner Postkartenseite: Statt durch die Altstadt führt sie durch Neudorf und am Ölhafen entlang. Kurz dahinter steht an der Sporeninsel eine Kasematte der Maginot-Linie, dann beginnt das Kiesland – türkisfarbene Baggerseen neben dem Damm, Förderbänder, nach Körnung sortierte Halden. Gefahren wird auf Rheindämmen, Feld- und Uferwegen, die überwiegend gut rollen; über Lauterbourg geht es zurück nach Deutschland und weiter Richtung Speyer. Hinter Straßburg liegt die längste Versorgungslücke der Fahrt: etwa 65 Kilometer ohne Laden an der Linie. Weil dieser Abschnitt für die meisten in die erste Nacht fällt, gilt: in Straßburg auffüllen, Wasser und Essen bis in den Sonntag hinein. In Frankreich öffnen sonntags manche Bäckereien, verlassen solltest Du Dich darauf nicht. Über der Ebene liegt in Septembernächten und am Morgen oft Nebel, die Luft wird feucht-kalt.
Basel–Kleve: am Rhein bei Straßburg, Morgen nach der ersten NachtBasel–Kleve: unterwegs Richtung Speyer
Abschnitt 5: Speyer – Worms – Mainz
Ab Speyer reihen sich die Städte: der Kaiserdom in Speyer, wenig später der Wormser Dom, beide nah an der Linie. Dazwischen bleibt die Strecke in der Ebene, auf Dämmen und Feldwegen, mit kurzen Stellen, die Aufmerksamkeit verlangen – 2026 lagen zwischen Speyer und Mainz vier kurze Schiebestellen von zusammen knapp 90 Metern, bei Worms ein Stück Deichkrone auf Wiese. Hinter Worms wird es industriell: Die Linie nimmt den Bogen über Rüsselsheim, vorbei an der früheren Opel-Rennbahn, bevor sie in Mainz an den Rhein zurückkehrt. Flach heißt hier nicht leicht: 1894 notierten die Fahrer zwischen Straßburg und Mainz starken Gegenwind, und kein Anstieg gliedert den Tag – das Tempo musst Du selbst finden. Für die meisten ist jetzt Sonntag: Läden sind geschlossen, verlässlicher sind Tankstellen und Bahnhöfe in den größeren Städten. Auf Dämmen und Rheinradweg ist an schönen Sonntagen viel Ausflugsverkehr unterwegs – nimm Tempo raus.
Basel–Kleve: an der früheren Opel-Rennbahn bei Rüsselsheim
Abschnitt 6: Mainz – Bingen – Hunsrück – Koblenz
Von Mainz bis Bingen bleibt die Linie flach am Strom; an der Nahemündung, unter der Burg Klopp, beginnt der zweite Höhenblock. Statt durchs Mittelrheintal führt sie über den Hunsrück, weil die Fähren nachts nicht fahren: gut 2.000 Höhenmeter auf gut 130 Kilometern, mit über 400 Kilometern in den Beinen. Über Stromberg geht es hinauf, dort auf rund drei Kilometern Landstraße ohne Radweg, dann steil, aber gut befestigt zum Katzenkopf. Oben folgen Wald und Hochfläche, darin zwei Gedenksteine für Abstürze von 1944. Danach kommen rund 38 Kilometer ohne Laden und Trinkwasser; erst die Grillhütte Dörth bietet wieder Wasser und Unterstand. Viele fahren dieses Stück nachts, oft noch am Sonntag – kauf in Bingen oder Stromberg für die ganze Hochfläche ein. Bei Boppard fällt die Linie ins Tal, steigt zum Vierseenblick noch einmal steil an, und auch bis Koblenz bleiben kurze, steile Rampen.
Basel–Kleve: Hunsrück bei Dörth von oben
Abschnitt 7: Koblenz – Remagen – Bonn – Köln
Am Deutschen Eck endet der Hunsrück, und die Fahrt wechselt den Ton: Ab Koblenz bleibt die Linie am Strom und wird städtischer. Die Rheinanlagen sind abends voll – hier fährst Du langsam. Über Andernach geht es nach Remagen, wo die Fahrer 1894 bei Tagesanbruch ihre Laternen abgaben; der Verifikationspunkt lag 2026 in einer Fußgängerzone. Weiter über Bonn-Endenich, mit dem Schumannhaus direkt an der Strecke, bis zum Kölner Dom. Der Asphaltanteil steigt, eben wird es trotzdem nicht: Von Koblenz bis Kleve sammelte die Linie 2026 noch deutlich über 800 Höhenmeter. Planerisch ist das der am dichtesten versorgte Abschnitt. Wenn Läden geschlossen sind, bleiben in Koblenz, Bonn und Köln Tankstellen und Bahnhöfe die verlässlichsten Adressen. Nutze sie, bevor sich das Land öffnet: Hinter Köln liegen die Orte weiter auseinander, und für viele beginnt bald die zweite Nacht.
Abschnitt 8: Köln – Krefeld – Xanten
Hinter Köln öffnet sich der Niederrhein: weite Ebene, Felder, Deiche und Wind, der die Kilometer länger macht. Die Orte liegen jetzt weiter auseinander – Neuss mit dem Obertor, Meerbusch, Krefeld mit der Burg Linn; Moers passiert die Linie in einigen Kilometern Abstand, dann folgen Xanten mit dem Archäologischen Park und zuletzt Schloss Moyland. Der Abschnitt ist der asphaltreichste der Fahrt, und schwer wird er nicht durch Steigung, sondern durch Länge: rund 155 Kilometer ab Köln, für die meisten mit der zweiten Nacht darin. Über Rheinauen und Niederung sammelt sich nachts feuchte, kalte Luft, Nebel ist Ende September möglich, und bei gleichem Thermometerwert fühlt es sich dort härter an. Zieh die warme Schicht vor der Nacht an, nicht mittendrin. Als Unterstand waren 2026 überdachte Haltestellen im Track markiert.
Basel–Kleve: Abendstimmung am Niederrhein in Meerbusch
Ziel: Kleve
Die letzten Kilometer führen von Xanten über Moyland nach Kleve – in die Stadt, die 1894 die Fahrer mit Zehntausenden an den Straßen, Böllerschüssen und Feuerwerk empfing. 2026 endete die Linie unter der Schwanenburg; den genauen Zielort für 2027 geben wir rechtzeitig bekannt. Ein Zielband gibt es nicht: Track und Foto sind der Nachweis, auch wenn gerade niemand von uns vor Ort ist. Schick uns Deine voraussichtliche Ankunftszeit, sobald Du sie einschätzen kannst. Zurück geht es ab dem Bahnhof Kleve mit dem Regionalexpress Richtung Düsseldorf.
Basel–Kleve: Ankunft an der Schwanenburg in Kleve

Das Profil der Route

  • Distanz: 2026 etwa 827 km und 4.627 Höhenmeter; die Linie 2027 prüfen wir bei Testfahrten neu
  • Charakter: zwei Höhenblöcke (Schwarzwald mit Schauinsland, Hunsrück), dazwischen lange Ebenen, Städte, Industrie und der Niederrhein
  • Anspruch: hoch – Kondition, Nachtfahrt und Selbstversorgung über längere Lücken
  • Biwak-Ausrüstung ist Pflicht – als Sicherheitsreserve, auch bei geplanten Hotelübernachtungen
Die Linie trägt den Geist von 1894 in die Gegenwart – nicht als Kopie der alten Transitroute, sondern über ruhige Wege, die die Fahrer von damals noch nicht kannten.

Von Basel nach Kleve – seit 1894 ein Mythos

Das war kein Sonntagsausflug: ab 1894 war Basel–Kleve einer der meistbeachteten Fernfahrt-Klassiker in deutschsprachichigem Raum. Eine kaum vorstellbare Distanz, teils miserable Wege, Material am Limit, Fritz Opel gewann im Sprint um Sekunden – und die Hersteller nutzten jeden Zentimeter Zeitungsspalte, um „ihre“ Wahrheit zu erzählen. Fakt: Basel–Kleve war Bühne für Technikbeweise, Markenstolz und verdammt viel Pathos. Genau deshalb funktioniert das Format heute wieder – als Gravel-Revival auf Wegen, die dem Flair von damals am nächsten kommen: ehrlich, lang, eigenständig.
Tauche ein in eine neu gestaltete Route, die das Erbe der ersten Fernfahrten von 1894 neu belebt! Mit kluger Linienwahl zwischen fließenden Schotterachsen, ruhigen Flusstälern und langen Nachtpassagen erlebst Du auf dem Gravelbike das Beste aus damals und heute. Dein Abenteuer beginnt im Herzen Basels: zwischen Rhein, Altstadt und Schwarzwaldrand. Noch hallen die Geräusche der Stadt nach, schon zieht Dich die offene Landschaft hinaus – weite Rheinebenen, dichte Wälder, erste Höhenzüge. Es ist der Auftakt zu einer unvergesslichen Reise. Bald öffnet sich die Weite der Strecke: entlang des Oberrheins, vorbei an Weinbergen und Städten, durch stille Auen und über historische Wege. Du rollst durch die Nacht, findest Deinen Rhythmus auf langen Geraden, kämpfst Dich durch kleine Anstiege und spürst jeden Kilometer – getragen vom Fluss der Linie, die sich wie von selbst entfaltet. Am Ende wartet Kleve – mit der Silhouette der Schwanenburg und dem Gefühl, Teil einer über hundertjährigen Geschichte zu sein. Die Heimreise fällt leicht, doch es lohnt, noch zu verweilen: zwischen Niederrhein und niederländischer Grenze, in einer Landschaft voller Ruhe, Weite und Geschichten. Hier schließt sich Dein Kreis – und diese Distanzfahrt bleibt nicht nur in den Beinen, sondern tief in der Erinnerung. Originalberichte & Quellen: Die vollständigen Augenzeugenberichte von Grüttner, Schweinsmann und Guthknecht findest du hier
Damals

Basel–Kleve: Aufbruch, Kampf, Triumph

De Distanzfahrt Basel–Kleve 1894 war nicht nur ein Rennen – sie war ein episches Abenteuer. Schon Tage vor dem Start kämpften die Fahrer auf der Anreise mit schlechtem Wetter, unpassierbaren Straßen und improvisierten „Ponchos“ aus Kaffeesäcken, die sich im Wind wie Ballons aufblähten und in jeder Ortschaft für Aufsehen sorgten. Am 15. September fiel frühmorgens in St. Ludwig der Startschuss. In streng geordneten Gruppen rollten die Fahrer hinaus, begleitet von dichtem Nebel, strömendem Regen und heftigem Gegenwind. Bald zerfiel das Feld – manche setzten auf Tandem-Schrittmacher, andere kämpften allein. Stürze, Defekte und verzweifelte Reparaturen bestimmten die ersten Stunden. Unterwegs lauerte das Unberechenbare: wild gewordene Ochsen zwangen ganze Gruppen zum Halt, durchgehende Pferdewagen brachten das Rennen ins Chaos. In der Nacht verwandelten Nebel und Wind die Straße in eine Prüfung für Körper und Nerven. Manch einer verlor in der Dunkelheit sogar seine Maschine im Gedränge der Zuschauer an den Kontrollstationen. Und doch hielten sie durch. Am Ende rollten Fritz Opel und Adolf Gutknecht nach über 600 Kilometern fast zeitgleich auf die Zielgerade. Nur wenige Sekunden entschieden – Opel hatte die Nase vorn. Dritter wurde Hermann Weiss aus Nürnberg.

Ein Volksfest in Kleve

Was in Kleve folgte, war eine Feier, die ihresgleichen suchte. Die kleine Stadt verwandelte sich in eine Metropole des Sports: Häuser mit Girlanden und Fahnen geschmückt, Böllerschüsse kündigten die Ankunft der Fahrer an, Zehntausende säumten die Straßen. Als Opel durchs Ziel schoss, trug ihn der Jubel wie einen Helden. Am Abend gab es Gartenkonzerte, Feuerwerke und Tanz – eine ganze Stadt im Ausnahmezustand. Für ein paar Tage zählte Kleve doppelt so viele Bewohner wie sonst, Gasthäuser und Säle waren überfüllt, sogar von einer „kleinen Hungersnot“ berichteten die Zeitungen.

Mehr als ein Rennen

Basel–Kleve war ein Grenzgang zwischen Mensch und Maschine, zwischen Ordnung und Chaos, zwischen sportlichem Ernst und Feststimmung. Es war:
  • ein Testfeld der Technik – von Brennabor- und Victoria-Rädern bis zu Continental-Pneumatic-Reifen, die im Ziel als Sieger glänzten.
  • ein Drama auf der Straße – mit Stürzen, Defekten und Tricks, die später zu Mythen wurden.
  • ein gesellschaftliches Ereignis – das eine Kleinstadt in eine Weltbühne verwandelte.
Basel–Kleve bleibt damit ein Sinnbild der Radsport-Pionierzeit: zugleich Heldengeschichte und Volksfest, zugleich Innovation und Improvisation – und ein Mythos, der bis heute weiterlebt.

Mythen & Legenden von Basel–Cleve

Großartiger Erfolg – und die Saat der Skandale

Distanzfahrt Basel–Cleve im September 1894 war ein Triumph – sportlich und wirtschaftlich. Von den neun Erstplatzierten rollten sieben auf Continental-Pneumatic-Reifen ins Ziel. Die drei Sieger – Fritz Opel aus Rüsselsheim, A. Gutknecht aus Mühlhausen und Hermann Weiss aus Nürnberg – wurden so unfreiwillig zu Werbeträgern. Zeitungen feierten den Beweis: Das neue Material hatte sich unter den härtesten Bedingungen bewährt. Doch wo Erfolg ist, sind auch Zweifel. Opel siegte im Endspurt nur Sekunden vor Gutknecht – und schon bald kursierten Gerüchte: Hatte er wirklich die ganze Strecke auf derselben Maschine absolviert? Oder musste er wechseln?

Die erste PR-Schlacht des Radsports

Was folgte, war ein einmaliges Schauspiel: Anzeigen, Erklärungen, Gegenerklärungen – ein Medienkrieg, wie man ihn bis dahin nicht kannte.
  • Seidel & Naumann warfen Opel vor, mit Radwechsel zum Sieg gekommen zu sein.
  • Opel konterte öffentlich, verwies auf seine eigene Erklärung und drehte die Vorwürfe um: Vielleicht seien die Defekte der Konkurrenz gar kein Zufall gewesen – sondern Folge von Nägeln auf der Strecke.
Damit stand plötzlich der Verdacht einer Sabotage-Attacke im Raum. Nägel als heimliche Waffe, gezielt eingesetzt, um Reifen zum Platzen zu bringen – ein Bild, das sich tief in die kollektive Fantasie des Radsports eingebrannt hat.

Der ewige Zweite: Max Reheis

Mitten in diesen Wirren stand ein Mann, der zur tragikomischen Legende wurde: Max Reheis aus Wasserburg. Talentiert, ehrgeizig, aber vom Pech verfolgt. Mal brach der Sattel, mal das Rad. Nach Basel–Cleve erklärte er sogar, er sei in einem Gasthof eingesperrt worden – und habe die Tür aufsprengen müssen, um weiterfahren zu können. Die Sportpresse machte sich über seine „Ausreden“ lustig. Doch in seiner Heimatstadt wurde er gefeiert, mit Musikzügen, Festumzügen und Ehrenabenden. Reheis verkörperte, was Basel–Cleve ausmachte: den Kampf zwischen Heroismus und Skandal, Ruhm und Zweifel.

Ein Rennen wird zur Legende

Basel–Cleve war nicht nur ein sportliches Experiment. Es war ein Spiegelbild seiner Zeit:
  • Technischer Fortschritt: Pneumatic-Reifen und Maschinen wie von Opel und Naumann zeigten, was möglich war.
  • Knappe Dramen: Opel gegen Gutknecht, ein Sprint nach 620 Kilometern.
  • Skandale & Geschichten: von angeblichen Radwechseln bis zu Nagelattacken, von eingesperrten Fahrern bis zu wilden Ausreden.
Und genau das macht die Faszination bis heute aus: Basel–Cleve war Sieg und Skandal zugleich – ein Mythos, der den Radsport prägte.

Die Geschichte von Basel–Kleve

Ein Pionierstück von der Schweiz bis in die Niederlande Die Distanzradfahrt Basel–Kleve, erstmals im September 1894 ausgetragen, gilt als die erste große Süd–Nord-Langstreckenfahrt des deutschsprachigen Raums. Während Wien–Berlin die Ebenen verband und Mailand–München die Alpen bezwang, führte Basel–Kleve mitten durch das Herz des Kaiserreichs – vom Hochrhein an der Schweizer Grenze bis an den Niederrhein.

Ein Abenteuer der Weite

Am 15./16. September 1894 stellten sich rund 40 Fahrer in Basel der Herausforderung. Das Ziel lag in Kleve, über 620 Kilometer entfernt. Die Strecke führte zunächst entlang des Hochrheins, dann über Schwarzwald und Taunus, durch die Rheinauen und weiter Richtung Niederrhein. Die Bedingungen waren hart: Schotterpisten, matschige Waldwege, staubige Landstraßen, Kopfsteinpflaster in den Städten. Regen und Kälte taten ihr Übriges. Viele Fahrer gaben bereits nach wenigen Stunden auf, andere kämpften sich erschöpft bis ins Ziel – es war ein Rennen für die Härtesten.

Der Sieger: Friedrich Franz „Fritz“ Opel 

Nach 27 Stunden und 50 Minuten erreichte der erst 19-jährige Fritz Opel als Erster das Ziel. Knapp dahinter: A. Gutknecht (Mülhausen im Elsass), nur Sekunden zurück, und Hermann Weiss (Nürnberg) als Dritter. Bemerkenswert: Alle drei fuhren auf den neuen Continental-Pneumatic-Reifen – eine technische Innovation, die der Firma einen immensen Werbeerfolg brachte. Der Sieg eines Opel, auf Continental-Reifen, in einem Rennen mit kaiserlichem Preis – das war mehr als Sport, das war Symbolpolitik und Technologiegeschichte zugleich.

Ein Rennen von nationaler Bedeutung

Die Distanzfahrt stand unter hoher gesellschaftlicher Aufmerksamkeit. Der Preis für den Sieger war vom Kaiser persönlich gestiftet, was dem Rennen besonderen Glanz verlieh. Basel–Kleve wurde so zu einem Repräsentationsereignis des Kaiserreichs: Radfahren war nicht mehr bloß Freizeitvergnügen oder Sport für eine kleine Elite, sondern ein Schaufenster für Leistungsfähigkeit, Technik und nationale Moderne.

Im internationalen Kontext

Verglichen mit den damals bereits etablierten Klassikern wie Bordeaux–Paris (1891, über 560 km) oder Paris–Brest–Paris (1891, 1.200 km), positionierte sich Basel–Kleve als deutsche Antwort auf die großen Fernfahrten.
  • Wien–Berlin (1893) bewies die Kraft der Ebenen.
  • Mailand–München (1894) wagte den Sprung über die Alpen.
  • Basel–Kleve (1894) spannte die Linie quer durchs Reich – ein Symbol für Einheit und Weite.
Damit bildeten die drei deutschsprachigen Klassiker ein eigenes Triptychon der frühen Langstrecke, das international Anerkennung fand.

Rad und Automobil – eine verflochtene Moderne

Basel–Kleve war auch ein Kapitel jener Zeit, in der Rad- und Automobilgeschichte noch eng miteinander verbunden waren.
  • Die Familie Opel betrieb um 1900 die größte Fahrradfabrik Europas, ehe sie ins Automobilgeschäft einstieg und später mit Raketenwagen experimentierte.
  • In Frankreich führte ein Sportjournalist und ehemaliger Radrekordfahrer, Henri Desgrange, ein ähnliches Erbe fort: Er gründete die Tour de France als Marketinginstrument für die Automobilzeitung L’Auto.
  • Was im Fahrradrennen begann, fand im Automobilrennen seine Fortsetzung: Geschwindigkeit, Technik, Fortschritt – dieselben Versprechen, nur auf einem neuen Terrain.
Diese Entwicklung war keine „feindliche Übernahme“, sondern eine organische Fortsetzung der Pionierleidenschaft. Tragisch allerdings, dass die Technik, die einst für individuelle Freiheit stand, im 20. Jahrhundert auch in den Dienst von Krieg und Propaganda gestellt wurde.

Vom Fortschritt zur Mobilitätswende

Basel–Kleve steht heute in einem neuen Licht. Die Distanzfahrt markiert nicht nur den Beginn einer deutschen Radsporttradition, sondern auch den Moment, an dem sich Technikgeschichte am Scheideweg befand: Fahrrad und Automobil entwickelten sich aus denselben Wurzeln, gingen aber später sehr unterschiedliche Wege. Während das Auto zum deutschen Mythos wurde – mit all seinen Ambivalenzen –, ist das Fahrrad heute wieder Symbol einer neuen Moderne: nachhaltig, zugänglich, grenzenlos. Im Zeitalter der Mobilitätswende zeigt Basel–Kleve, dass es Alternativen gibt: nicht das Auto als Fetisch der Selbstbewegung, sondern das Rad als Werkzeug echter Freiheit.

Palmarès – die frühen Sieger

  • 1894: Fritz Opel (Deutschland)
  • weitere Jahre: u. a. Hermann Weiss (Nürnberg), A. Gutknecht (Mülhausen) – Siegerlisten fragmentarisch überliefert.

Fortsetzungen und Vermächtnis

Basel–Kleve wurde nach 1894 noch mehrfach wiederholt und galt in den 1890er Jahren als dritte Säule der Distanzfahrten neben Wien–Berlin und Mailand–München. Später verschwand es vom Kalender, verdrängt durch neue Formate und den zunehmenden Straßenverkehr. Doch im Rückblick bleibt Basel–Kleve ein Schlüsselereignis:
  • ein Pionierstück des deutschen Radsports,
  • ein Zeugnis technologischer Innovation,
  • und ein frühes Kapitel der modernen Mobilitätsgeschichte.
Basel–Kleve markiert einen Wendepunkt: Es zeigt, dass Radsport nicht nur Berge und Grenzen, sondern Distanz als Dimension erobert. Im Rückblick ist es zugleich ein Kapitel Automobilgeschichte. Ein Wettkampf, in dem sich die Fäden von Technik, Sport und Gesellschaft kreuzen – und der heute, im neuen Kontext, wieder Sinn ergibt.
Die Gebrüder Opel, Rüsselsheim, auf dem Fünfsitzer .
*Hinweis zur Strecke: Die beschriebene Linie ist die Referenzroute der letzten Ausgabe. Für 2027 prüfen wir sie bei Testfahrten neu; Verlauf, Länge und Höhenmeter können sich dabei ändern, ebenso wegen Witterung, Fahrbarkeit, Sperrungen oder behördlicher Auflagen. Wir achten darauf, dass Gesamtanstrengung und Fahrzeit im angekündigten Rahmen bleiben. Den finalen Track erhalten alle Teilnehmer:innen in der Eventwoche, zusammen mit dem Streckenhandbuch mit Versorgungs- und Kontrollpunkten – bewusst nicht früher, weil wir die Strecken kurz vor dem Start noch einmal prüfen.

Basel–Kleve 2027: häufige Fragen

Wann ist Basel–Kleve 2027?

Gemeinsamer Start ist am Samstag, 25. September 2027, um 10 Uhr in Basel (Kleinbasel). Check-in mit Tracker-Ausgabe ist am Vorabend, Freitag, 24. September, in Basel. Die Finisherparty ist das offizielle Ende.

Wie lang ist die Strecke?

Rund 830 km und 4.600 Höhenmeter, von der Schweiz durch Frankreich und Deutschland den Rhein hinab bis an den Niederrhein – auf der Linie der Distanzfahrt Basel–Cleve von 1894. Der Großteil der Höhenmeter liegt in zwei Blöcken. Die Angaben beziehen sich auf die Referenzroute der letzten Ausgabe; für 2027 prüfen wir sie neu, den finalen Track gibt es in der Eventwoche.

Wie ist das Gelände?

Schotter- und Forstwege, Deiche und Uferwege, zwei hügelige Blöcke und lange flache Abschnitte am Rhein. Pflicht sind Reifen ab 35 mm; wir empfehlen so breit, wie der Rahmen erlaubt.

Ist das ein Rennen? Gibt es ein Zeitlimit?

Nein. Es gibt kein Ranking und kein formales Zeitlimit. Die Finisherparty ist das offizielle Ende; wer später mit vollständig dokumentierter Strecke ankommt, ist genauso Finisher:in. Die Route ist so angelegt, dass realistisch bis zur Party ankommt, wer zuvor eine regionale Grevet-Serie erfolgreich gefahren ist – eine Garantie ist das nicht.

Ist die Fahrt selbstversorgt?

Ja. Du trägst, was Du brauchst, und versorgst Dich unterwegs selbst – einen Begleit-, Abhol- oder Rettungsdienst gibt es nicht. Alle fahren mit GPS-Tracker. Unser Medienteam ist auf der Strecke unterwegs, kann aber niemanden durchgehend begleiten.

Was brauche ich für die Teilnahme?

Langstreckenerfahrung auf dem Gravelbike – idealerweise eine erfolgreich gefahrene regionale Grevet-Serie. Pflicht sind Versicherung, Licht und Ausrüstung für ein Notbiwak; eine ärztliche Bescheinigung empfehlen wir. Details stehen in Regeln und AGB.

Was kostet die Teilnahme?

Der Startplatz kostet solo ab 250 € (Frühbucher bis 28. Februar 2027, danach 265 €), im Duo 245 € und im Quartett 230 € pro Person – jeweils zuzüglich 50 € Tracker-Pfand (rückzahlbar).

Wie komme ich nach Basel und von Kleve zurück?

Mit Bahn oder Fernbus: Basel ist ein großer Bahnknoten, Kleve ist über die Niederrheinstrecke angebunden. Mehr in den Anreise-Infos auf dieser Seite.

Passt die Fahrt zu Dir?

Schreib uns über das Kontaktformular, gern mit ein paar Sätzen zu Deinem Hintergrund und Deinen Vorerfahrungen. Wir beraten Dich persönlich zu Vorbereitung, Ausrüstung und der Frage, ob diese Linie zu Dir passt.

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