800 km & 14.000 hm auf den Spuren der ersten Alpenüberquerung
Start: 31. Juli 2027 · 10:00 Uhr · Mailand Finisherparty: Termin und Ort folgen
Mailand–München: über die Alpen, auf der Linie von 1894
Im Juni 1894 verband die Distanzfahrt Mailand und München über den Brenner, und auf dem Pass fiel Schnee. Der Supergrevet folgt dieser Idee heute auf Schotter- und Bergwegen: aus der Poebene an den Gardasee, durch die Dolomiten, über Klammljoch und Brenner, am Walchensee vorbei nach München. Selbstversorgt, ohne Wertung, mit einem gemeinsamen Start in Mailand.

Route · Anforderungen & Ablauf · Leistungen · Anmeldung · Geschichte
Auf einen Blick: Mailand–München 2027
Sa, 31. Juli 2027 · Mailand → München · rund 800 km und 14.000 hm · Solo ab 250 € · Gruppen ab 230 € p. P. · zzgl. 50 € Tracker-Pfand
Alle Eckdaten, Pflichten und Anspruch
| Start | Samstag, 31. Juli 2027, 10 Uhr, Mailand |
| Vorabend | Freitag, 30. Juli, Mailand – Anreise am Freitag erforderlich: Check-in mit Bescheinigung und Tracker-Ausgabe sind verpflichtend, das übrige Vorabendprogramm ist freiwillig (Ort und Zeitfenster folgen) |
| Strecke | rund 800 km und 14.000 hm über die Alpen, selbstversorgt, gemeinsamer Start, keine Wertung – Referenzlinie 2026, für 2027 neu geprüft |
| Ziel | München, Zielort folgt · kein formaler Zielschluss · Finisherparty als offizielles Ende: Termin und Ort folgen |
| Startplatz | Solo 250 € bis 28. Februar 2027, danach 265 € · Duo 245 € und Quartett 230 € pro Person – jeweils zzgl. 50 € Tracker-Pfand (rückzahlbar) |
| Anmeldung | geöffnet – jetzt Startplatz sichern → |
| Anspruch | Die Linien sind so angelegt, dass Fahrer:innen, die zuvor eine Grevet-Serie erfolgreich durchlaufen haben, eine realistische Chance haben, sie bis zur Finisherparty zu beenden. Eine Erfolgsgarantie ist das nicht. |
| Pflicht | ärztliche Bescheinigung (ohne Bescheinigung kein Start), unter anderem Reifen ab 40 mm (wir empfehlen 45 mm oder mehr), Licht, Ausrüstung für ein Notbiwak, Warnweste in Italien außerorts bei Dunkelheit, Versicherung mit Bergung und Rückholung, Ausweis (AGB Ziff. 11, 19 und 20) · Empfehlung: Bikefitting für eine gute Sitzposition · mehr unter Rad & Ausrüstung und Vorbereitung |
Fragen zu Fahrt, Vorbereitung oder Ausrüstung? Schreib uns über das Kontaktformular – gern mit ein paar Sätzen zu Deinem Hintergrund. Wir beraten Dich persönlich.
Verlauf, Länge und Höhenmeter können sich bis zum Start noch ändern, etwa nach Testfahrten oder wegen Sperrungen. Den finalen Track gibt es in der Eventwoche. Maßgeblich sind die AGB.
Die wichtigsten Informationen
- ca. 800 km · ca. 14.000 hm
- rund 40 km mit >10 % Steigung, kurze Rampen >20 %
- ca. 175 km hochalpiner Kern (ca. km 345–519)
- überwiegend Asphalt & fester Gravel; wirklich schlechter Untergrund < 0,5 %
- einzelne grobe/lose und schmale Passagen
- keine längeren S2–S3-MTB-Trails; kurze Schiebeabschnitte möglich
- Biwak-Ausrüstung ist Pflicht — Sicherheitsreserve, auch bei geplanten Hotelübernachtungen
Was „fahrbar“ bei uns heißt: kein bewusst eingeplantes längeres Tragen oder MTB-Terrain. Es heißt nicht, dass jeder Abschnitt für jede Person, jede Übersetzung und jede Ermüdungsstufe vollständig fahrend zu bewältigen ist. Sehr steile, lose oder grobe Stellen können – mit Gepäck und zunehmender Ermüdung – auch einige Minuten Schieben bedeuten.
Setup-Konsequenz: Für die Alpenpassagen sind 45 mm+ Reifen die komfortablere Wahl (bei 40 mm sollten Profil und Karkasse stimmen), und wir empfehlen ausdrücklich eine Übersetzung deutlich unter 1:1. Eine klassische Gravel-Rennübersetzung kann auf den steilen Rampen trotz guter Fitness zu längeren Schiebeanteilen führen. Warum kürzere Übersetzungen am Berg helfen, erklärt Kürzer treten – der Berggang fürs Gravelbike. Mehr dazu unter Rad & Ausrüstung.


Anreise am Vorabend
Wir gehen davon aus, dass Ihr bereits am Vorabend des Starts in Mailand ankommt – damit Ihr am Start-Tag ausgeschlafen und ohne Zeitdruck loslegt. An diesem Abend findet unser Vorabendprogramm statt: Anmeldung, kurzes Briefing und Tracker-Ausgabe (genauer Ort und Uhrzeit folgen rechtzeitig vor dem Start). Anreise und Check-in sind am Freitag verpflichtend – ohne Freitags-Check-in und Tracker-Ausgabe ist kein Start möglich.Start in Mailand
Der Start ist in Mailand; den genauen Startpunkt geben wir rechtzeitig vor dem Start bekannt. Vom Hauptbahnhof (Milano Centrale) aus ist das Stadtgebiet mit dem Rad gut erreichbar. Mailand ist hervorragend angebunden: täglich verkehren Fernzüge, Fernbusse und Nachtverbindungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bahn & Bike sind theoretisch ein Traumpaar – praktisch aber oft eine kleine Herausforderung. Die direkte Buchung über die ÖBB oder Trenitalia ist meist günstiger und zuverlässiger als über die Deutsche Bahn.- Nightjet-Verbindungen (z. B. Wien–Mailand oder München–Mailand) sind ideal: ganze Viererabteile lassen sich günstig reservieren, und mit zwei Personen plus zwei Fahrrädern reist es sich dort entspannt.
- In Regionalzügen zwischen der Schweiz, Österreich und Italien genügt meist ein Fahrradticket – Reservierungen sind hier nicht erforderlich.
- Auch Fernbusse sind eine hervorragende gute Option: Sie fahren regelmäßig zwischen München und Mailand, die Mitnahme von Fahrrädern ist oft möglich, und die Preise bleiben selbst kurzfristig fair. Wer über Nacht fährt, spart Zeit und erreicht den Startpunkt im Morgengrauen
München & Rückreise
München ist hervorragend angebunden – egal, ob Ihr mit Bahn, Fernbus oder Nightjet zurückreist. Die Stadt bietet zahlreiche Optionen, um entspannt und mit Bike im Gepäck heimzukommen.- Fernbusse (z. B. FlixBus) – regelmäßige Direktverbindungen zwischen München ↔ Mailand, Fahrradmitnahme bei Buchung auswählbar. Ideal für spontane Rückreisen, solange Plätze verfügbar sind.
www.flixbus.de
- Fernzüge – z. B. über Zürich (SBB / DB) oder Innsbruck (ÖBB). Fahrradmitnahme ist möglich, aber reservierungspflichtig und meist begrenzt – daher frühzeitig
buchen.
www.bahn.de | www.oebb.at | www.sbb.ch
- Regionale Verbindungen – über Mailand – Verona – Brenner – Innsbruck. Etwas langsamer, aber meist flexibler bei der Radmitnahme.
www.trenitalia.com | www.oebb.at
- Nightjet (ÖBB) – auf ausgewählten Strecken mit Fahrradstellplätzen, Reservierung erforderlich. Bequeme Option für die Rückfahrt über Nacht.
www.nightjet.com
Rückreise ab München
Nach der Ankunft ist alles einfach: Vom Zielpunkt bis zum Münchner Hauptbahnhof sind es nur wenige Kilometer. München ist der wichtigste Verkehrsknoten Süddeutschlands – mit direkter Anbindung an internationale Zug-, Bus- und Nachtverbindungen. Wer den Kreis schließen möchte, kann direkt per Fernbus nach Mailand zurückfahren oder über Innsbruck → Verona → Mailand mit Regionalzügen rollen. Diese Option ist meist entspannter als kurzfristig einen Fahrradplatz im Fernzug zu ergattern.Noch ein Tag in München
Wenn es Eure Zeit erlaubt: Bleibt noch einen Tag. München bietet alles, was eine gute Zielstadt braucht – Biergärten, Museen, Isarauen und entspannte Atmosphäre. Nach den langen Kilometern ist das der perfekte Ort, um das Abenteuer ausklingen zu lassen.Die Linie: Karte, Profil und Kennzahlen
Track 2026: 815 Kilometer und rund 14.400 Höhenmeter, höchster Punkt Klammljoch 2.288 m. Für 2027 nennen wir gerundet rund 800 km und 14.000 hm: Die Strecke wird bei den Testfahrten neu geprüft, und Höhenmeter hängen von der Messmethode ab. Sechs Abschnitte, sechs Charaktere – unten im Detail.

| Abschnitt | km | Höhenmeter | max. Steigung | Versorgung | Nacht | Wetter |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Mailand – Riva | 220 | ~2.660 | ~22 % | ●●●●○ | ●●●●○ | ●●●○○ |
| Riva – Pordoi | 163 | ~4.230 | ~22 % | ●●●○○ | ●●●○○ | ●●●●○ |
| Pordoi – Kronplatz | 61 | ~2.370 | ~21 % | ●●○○○ | ●●○○○ | ●●●●○ |
| Antholz – Klammljoch | 65 | ~1.730 | ~16 % | ●○○○○ | ●○○○○ | ●●●●● |
| Pustertal – Brenner | 129 | ~1.960 | ~17 % | ●●●●○ | ●●●●○ | ●●○○○ |
| Brenner – München | 178 | ~1.450 | ~19 % | ●●●●○ | ●●●●○ | ●●○○○ |
Steilste Einzelrampe der Strecke: +25 % (Lodrino, km 138). Untergrund gesamt: Asphalt/feste Decke ~64 % · fester Schotter ~28 % · lose/Pfad ~8 % (BRouter/OSM-Wegeanalyse). Versorgung, Nacht und Wetter als Einordnung aus der Streckenarbeit; Höhenmeter und Steigungen aus dem v8.6-Track berechnet.
Die einzelnen Streckenabschnitte*
Von Mailand aus führt die Linie über den Vettabbia-Greenway und den Cammino dei Monaci aus der Stadt: Kanalwege, Pappelreihen und die Reisfelder der Poebene, gut hundert Kilometer unter zweihundert Metern. Der Untergrund ist überwiegend Asphalt und feste Piste, das Rollen dominiert. Erst in den Voralpen zieht die Linie an — am Idrosee klebt die Straße an der Wand, danach das Hochtal von Ledro, dann die Ponale: 5,5 Kilometer Schotter durch acht Tunnel, befahren gegen die historische Richtung und im Miteinander mit Wandernden. Unten liegt Riva del Garda auf 65 Metern, dem tiefsten Punkt der Strecke. Die Feuchte der Poebene diktiert vor allem das Trinken; die Versorgung ist hier dicht und verlässlich.

Ab Riva gewinnt die Linie über viele Stunden an Höhe. Durch das Sarcatal und die Fassaner Täler steigt die Linie gleichmäßig zum Passo Pordoi auf 2.239 Meter — der erste von vier Abschnitten über 2.000 Meter. Es ist ein langer, regelmäßiger Anstieg ohne technische Not, aber mit deutlichem Höhengewinn. Unterhalb der Baumgrenze führt die Strecke über Asphalt und feste Wege, oben wird der Untergrund grober. Mit der Höhe kommt der Wetterumschwung: Am Pass fällt die Temperatur nachts auch Ende Juli gegen null, und oben muss man fast immer mit Wind rechnen. Versorgung gibt es in den Tälern; oberhalb der Baumgrenze sollte man aufgefüllt sein, bevor man die letzten Kilometer zur Passhöhe angeht.

Hinter dem Pordoi führt die Strecke durch das Gadertal (Val Badia) ins Pustertal, und mit dem Tal ändern sich Sprache, Bauweise und Geruch. Über den Kronplatz führt die Linie auf einen kahlen, planierten Rücken über der Baumgrenze. Die Abfahrt nach Reischach ist der fordernde Teil dieses Abschnitts: rund zehn Kilometer Schotter, etwa 1.100 Höhenmeter abwärts, im Mittel elf Prozent und in Spitzen achtzehn. Der Untergrund wechselt häufig, die Kontrolle über das beladene Rad zählt hier mehr als Kraft. Nachmittags und am frühen Abend sind Gewitter im Hochsommer ein reales Risiko, gerade in dieser offenen Höhe. Die Bergstationen sind abends geschlossen — wer spät hier oben ist, hat keine verlässliche Versorgung in Reichweite. Von Reischach führt die Linie ein kurzes Stück durch das Pustertal und biegt dann nach Norden ins Antholzer Tal ab.

Bei Kilometer 480, in Antholz, steht die zentrale Entscheidung der Strecke: die Klammljoch-Runde oder das Pustertal auf Asphalt. Die Runde umfasst rund vierzig Kilometer und 1.750 Höhenmeter zwischen dem letzten Supermarkt und dem Klammljoch auf 2.288 Metern, dem höchsten Punkt der Fahrt. Sie überschreitet über den Staller Sattel (2.052 m) zwei Grenzen. Der Sattel ist oben einspurig und per Ampel geregelt, nachts von 22 bis 5:30 Uhr gesperrt — planbar ist er nur bei Tag. Verlässliche Versorgung gibt es hier nicht; die Jagdhausalmen sollte man nicht einplanen. Wasser und Zeitpunkt sind die eigentlichen Entscheidungen. Nachts ist der Abschnitt kalt und einsam. Die Ausfahrt ins Pustertal steht ausdrücklich jedem offen. Beide Wege enden bei Bruneck: Die Runde kommt vom Klammljoch durch das Ahrntal herunter, die Asphaltvariante direkt durch das Pustertal.

Ab Bruneck sind beide Varianten wieder auf derselben Linie. Das Profil nimmt zurück, und die Linie kehrt auf die historische Achse von 1894 zurück. Der Brenner auf 1.371 Metern ist der einzige Pass, den die alte Distanzfahrt und die heutige Strecke teilen. Die alte Passstraße läuft neben der Autobahn und unter ihr hindurch — ein stilles Sträßchen mit dem dauernden Rauschen der Brücken im Ohr. Der Abschnitt ist überwiegend asphaltiert und der letzte Pass der Fahrt; danach folgt nur noch die Rampe hinauf nach Seefeld. Oben auf der Passhöhe steht das Brennerhaus, das 1894 eine Kontrollstation der Distanzfahrt war. Die Versorgung ist auf diesem Abschnitt verlässlich; die Herausforderung liegt weniger im Gelände als in der Ermüdung nach mehreren Tagen und Nächten.

Vom Brenner sind es noch rund 180 Kilometer: durch das Inntal an Innsbruck vorbei, die Rampe hinauf nach Seefeld, dann Mittenwald und entlang der Isar nach Norden. Jenseits des Passes wird die Luft feuchter und kühler, Fichtenwald kommt dazu, morgens liegt Nebel in den Wiesen. Der Weg an der Isar ist überwiegend flach, das Kiesbett breit und hell. Es ist eine überwiegend rollende Schlussetappe, aber keine geschenkte: Die Rampe nach Seefeld kommt mit müden Beinen, und auf Kies und Wurzeln an der Isar lässt die Konzentration leicht nach. Tagsüber ist die Versorgung in den Orten gut, nachts haben nur wenige Tankstellen geöffnet. Was den Ausschlag gibt, ist die letzte Nacht: wie weit man sie fährt und wie viel man schläft, bestimmt am Ende die Ankunftszeit an der Tür in München.

Am Zielpunkt in München endet die Linie; Deine Ankunftszeit hält der Tracker fest, ob mittags oder mitten in der Nacht. Den genauen Zielort geben wir rechtzeitig bekannt. Der Hauptbahnhof ist von dort mit dem Rad gut erreichbar; Hinweise zur Rückreise und zu einem zusätzlichen Tag in München stehen weiter oben.


Das ist enthalten
- Vollständig vor Ort gescoutete Linie
- GPX mit kuratierten POIs
- GPS-Tracking während der gesamten Fahrt
- Briefing & Startunterlagen
- Dokumentation der Edition (Fotos, Arrivals, Wetter)
- Organisation an Start und Ziel
Wir bereiten die Linie vor. Du fährst sie selbst. → Wie wir dokumentieren
Mailand–München – Die legendäre Distanzradfahrt neu erlebt
Die Distanzradfahrt Mailand–Münchenlässt einen der großen Klassiker des Radsports neu aufleben – das erste transalpine Radrennen der Geschichte (1894). Diese außergewöhnliche Alpenüberquerung folgt den Spuren jener Pioniere, die auf Stahlrädern mit Wolltrikots und ohne Gangschaltung über die Alpen fuhren – und verbindet diese frühe Distanzfahrt mit dem heutigen Gravelrad.
- Milan Cathedral, Duomo di Milano, one of the largest churches in the world
Auf den Spuren der Pioniere
Eine Reise zwischen zwei Welten
Von der kulturellen Vielfalt und mediterranen Eleganz Mailands bis zur urbanen Energie und bayerischen Lebensart Münchens führt diese Route durch eine der eindrucksvollsten Landschaften Europas. Über alpine Pässe, durch tiefe Täler und entlang historischer Handelsrouten verbindet die Fahrt nicht nur zwei Städte, sondern auch zwei Epochen des Radsports: die frühen Jahre der Distanzfahrten – und das heutige Gravelrad.Tradition trifft Innovation
Was 1894 als waghalsiges Experiment begann – Josef Fischer gewann damals die erste Austragung und schrieb Radsportgeschichte – wird heute als Hommage an diese Pioniertat neu interpretiert. Die moderne Strecke folgt dem Geist der historischen Route, nicht ihrer genauen Linie: über Schotterstraßen statt Asphalt, über alte Alpenübergänge statt Autobahnen, mit Fokus auf Erlebnis statt reiner Geschwindigkeit.Mehr als ein Rennen
Diese Distanzfahrt ist kein gewöhnliches Event. Sie ist eine Einladung, Geschichte zu erfahren – nicht zu lesen. In den Beinen. In der Landschaft. In den Begegnungen unterwegs. Mailand–München vereint sportliche Herausforderung mit kulturellem Bewusstsein, individuelle Leistung mit gemeinschaftlichem Erlebnis. Von den Espresso-Bars Norditaliens bis zu den Biergärten Oberbayerns wird diese Fahrt zu einer transalpinen Erfahrung, die Tradition und Innovation, Vergangenheit und Gegenwart zu einem unvergesslichen Abenteuer verschmelzen lässt.
Damals
Mailand–München: Eine Distanzradfahrt die Geschichte schrieb
Über die Alpen
Die Route der Distanzradfahrt Mailand-München
Mythen & Legenden von Mailand–München
Der Protest – und ein seltsames „Ja, aber“
Reheis legt offiziell Protest ein. Das Schiedsgericht der Distanzfahrt (Vorsitz: Wilh. Schwaiger) bewertet am 7. Juli 1894 die eingereichten Bestätigungen (u. a. Wirt/Bedienung in Oberflintsbach, Grenz- und Straßenaufseher, Dorfbewohner). Quintessenz:- Aussagen, die „Ziehen“ nahelegen – anerkannt.
- Gegenaussagen der offiziellen Posten und Fischers Schrittmacher – ebenso anerkannt.
- Formaler Knock-out: Reheis’ Protest verspätet (er nahm den 2. Preis an), damit Zurückweisung – Fischer bleibt Sieger.
Das Duell verlagert sich vor Gericht
Der Streit eskaliert beidseitig:- Fischer telegrafiert am 2. Juli an den Münchner Sportausschuss, Reheis habe sich über den Brenner ziehen lassen – ohne Beweis. Vor dem Amtsgericht München (28. Nov. 1894) zieht Fischer die Behauptung „in gutem Glauben, aber unbeweisbar“ zurück; Vergleich, Kosten geteilt. Applaus im vollen Sportsaal.
- Reheis klagt das Neue Münchener Tageblatt wegen Beleidigung (es stützt Fischers Sicht auf Basis von Schrittmacher-Zeugnis & Schiedsspruch). Urteil: Verurteilung des verantwortlichen Redakteurs zu 150 Mark (ersatzweise 15 Tage Haft); Reheis freigesprochen und berechtigt, das Urteil im Blatt und im Deutschen Radfahrer-Bund zu veröffentlichen (Berufung angekündigt).
Held, Märtyrer – oder einfach „Mensch auf dem Rad“?
Die Legende lebt vom Widerspruch: ein technisch und körperlich überragender Ritt über den Brenner, ein Protest mit dutzenden Zuschaueraussagen, ein Schiedsgericht, das beides gelten lässt – und am Ende zwei Rivalen, die den Kampf von der Straße in Sitzungssäle tragen. Genau dieser Riss zwischen Heroik und Makel macht Mailand–München bis heute so erzählerisch starkWarum Mailand–München und nicht umgekehrt
Mailand–München ist nicht entstanden, weil wir nach zwei Städten für eine Alpenquerung gesucht haben. Die Wiederentdeckung und Aufarbeitung historischer Distanzfahrten ist seit Jahren ein Projekt von Grevet: Wir recherchieren ihre Strecken, erschließen zeitgenössische Quellen und versuchen zu verstehen, was von diesen Fahrten heute noch übrig ist. Die Berichte von 1894 zu Mailand–München haben wir im Volltext veröffentlicht — Hirsch, Grüttner und Gerger nachzulesen.
Mailand–München gehört zu dieser Geschichte. Am 11. Juni 1894 startete die Distanzfahrt in Mailand. Ihr Ziel war München. Diese Richtung ist keine gestalterische Entscheidung von uns, sondern historische Tatsache.
Deshalb lässt sich die Verbindung auch nicht einfach umdrehen und mit derselben Geschichte versehen. Wer aus Mailand–München ein München–Mailand macht, kann die beiden Städtenamen übernehmen. Die historische Distanzfahrt übernimmt er damit nicht.
Das ist keine Frage historischer Pedanterie. Ohne die Fahrt von 1894 wäre gerade die Verbindung dieser beiden Städte als Alpenquerung kaum selbstverständlich. Mailand liegt weit in der Poebene; das eigentliche Gebirge endet lange vorher. Viele klassische Transalp-Linien enden deshalb bereits an den oberitalienischen Seen oder am südlichen Alpenrand. Erst die historische Fahrt erklärt, warum ausgerechnet Mailand und München eine gemeinsame Linie bilden.
In unserer Richtung wird genau diese Ebene zum Anfang der Geschichte. Man verlässt eine Millionenstadt, fährt durch Reisfelder auf die Berge zu und arbeitet sich über mehrere Tage immer tiefer in die Alpen hinein. Über den Brenner, Mittenwald und die Isar verlässt man das Gebirge wieder nach Norden. Aus einer Städteverbindung wird so eine Dramaturgie: Ebene, Gebirge, Ebene. Mailand, Alpen, München.
Damit ist Mailand–München für uns auch keine beliebig austauschbare Alpenquerung. Natürlich kann man zwischen zwei Städten eine großartige Gravel- oder Bikepackingroute bauen, sie verändern, verlängern oder auch in Gegenrichtung fahren. Nur ihre Geschichte reist dabei nicht automatisch mit.
Dieser Linie liegt etwas zugrunde. Sie hat ein Datum, einen Startort, ein Ziel und die Berichte von Leuten, die sie gefahren sind — mit Namen, mit Kettenbruch, Sturm und dem Fleischer in Branzoll. Man kann sie neu interpretieren, genau das tun wir. Aber ihre historische Richtung lässt sich nicht neu interpretieren: 1894 führte sie von Mailand nach München.
Und weil das zu einer ehrlichen Erinnerung dazugehört: Es blieb nicht unwidersprochen. Zwischen Oberaudorf, Rosenheim und Ostermünchen wurde behauptet, dem Führenden sei nachgeholfen worden — mit Strick oder Schulterstütze. Es folgten Protest, Schiedsspruch und Gerichtsverfahren. Die erste große Distanzfahrt über die Alpen endete nicht mit einem Bild, sondern mit einem Streit darüber, was zählt.
Die Fahrt wurde danach mehrfach neu ausgetragen — und bekam dabei eine politische Dimension. 1937 wurde sie als offizieller Länderkampf zwischen Deutschland, Italien und Österreich ausgetragen, nun über drei Etappen. 1938 und 1940 verlief die Strecke sogar in umgekehrter Richtung, von München nach Mailand, und war nur für Fahrer aus den drei „Achsenländern“ ausgeschrieben. Man muss es klar sagen: Die Strecke wurde auf Deutschland zentriert und in den Dienst des nationalsozialistischen Zeitgeists gestellt. Schon die Reihenfolge der Nennung — Deutschland zuerst — und der deutsche Verband als Organisator zeigen den Anspruch, ehe der Krieg die Serie beendete.
Eine Alpenquerung kann man umdrehen. Geschichte nicht. Und ausgerechnet die Umkehrung zu übernehmen, die die Nationalsozialisten gesetzt haben — München zuerst, Mailand als Ziel —, wäre symbolisch katastrophal.
Unsere heutige Strecke interpretiert die historische Fahrt frei. Pordoi, Kronplatz und Klammljoch gehörten 1894 nicht dazu. Historische Treue kann auch gar nicht bedeuten, jeden Kilometer von 1894 nachzufahren: Teile dieser Verkehrswelt existieren nicht mehr, andere liegen heute unter Bundesstraßen und Autobahnen. Wir rekonstruieren nicht die Straßen von 1894. Wir rekonstruieren die Aufgabe. Anfang und Ende dagegen sind keine Interpretation: Mailand–München.
Die Geschichte von Mailand–München
Ein Pionierstück über die Alpen
Ein Abenteuer der Extreme
46 Fahrer standen in Mailand am Start. Ihr Ziel: die bayerische Hauptstadt, 590 Kilometer entfernt. Die Strecke führte durch die lombardische Ebene, vorbei am Gardasee, durch das Etschtal und schließlich über den Brennerpass, ehe es durchs Inntal und über Rosenheim nach München ging. Regen, Hagel, Schlammlöcher und frostige Nächte machten die Fahrt zur Tortur. Viele gaben auf, nur eine Handvoll erreichte das Ziel.Der Sieger: Josef Fischer
Nach 29 Stunden und 32 Minuten rollte der Münchner Josef Fischer als Erster ins Ziel. Damit krönte er sich – nach seinem Sieg bei Wien–Berlin im Vorjahr – endgültig zum herausragenden Distanzfahrer seiner Zeit. Gefeiert von Tausenden, die ihn bejubelten und mit Preisen überhäuften, schrieb Fischer ein weiteres Kapitel Radsportgeschichte.Der Rivale: Max Reheis
Knapp anderthalb Stunden später folgte sein Dauerrivale Max Reheis aus Wasserburg. Er galt als unermüdlicher Kämpfer, erreichte trotz technischer Probleme und widrigster Umstände das Ziel – und wurde daheim als Held empfangen. Doch schon bald sollten Anschuldigungen und Proteste die sportliche Leistung überschatten.Fortsetzungen und spätere Austragungen
Mailand–München blieb kein einmaliges Abenteuer. In den Jahren nach 1894 wurde die Distanzfahrt mehrfach neu aufgelegt – teils als offizielles Rennen, teils als populäre Distanzfahrt für Amateure. Besonders um die Jahrhundertwende galt sie als Königsprüfung der Langstrecke, gleichrangig mit Wien–Berlin und Paris–Brest–Paris. Mit jeder Austragung wuchs die Symbolkraft: Die Alpenüberquerung war mehr als nur sportliche Herausforderung, sie stand für Verbindung von Nationen und Kulturen, für technische Innovation und für die Entschlossenheit einer ganzen Generation, die Grenzen des Fahrrads immer weiter hinauszuschieben. Im Laufe der Zeit aber verschwand Mailand–München wieder vom Kalender. Der wachsende Straßenverkehr und die Professionalisierung des Radsports verlagerten die großen Rennen auf andere Formate. Doch die Erinnerung blieb – als Meilenstein, an dem sich die Geschichte des Radsports bis heute ablesen lässt.Vom Eintagesrennen zum Etappenformat
Während die erste Ausgabe 1894 ein Eintagesrennen über die Alpen war, entwickelte sich Mailand–München in den folgenden Jahrzehnten zu einem unregelmäßig ausgetragenen Klassiker. Die Distanz blieb mit knapp 590 Kilometern gleich, doch das Format variierte: Mal als Distanzfahrt an einem Tag, mal als mehrtägige Etappenprüfung.Palmarès – die Sieger von Mailand–München
- 1894 Josef Fischer (Deutschland)
- 1910 Peter Strasser (Österreich)
- 1912 Georg Schmid (Deutschland)
- 1937 Richard Menapace (Österreich)
- 1938 Mario De Benedetti (Italien)
- 1939 Aldo Ronconi (Italien)
- 1940 Doro Morigi (Italien)
Ein Mythos verblasst
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs erlosch die Tradition. Nach 1940 wurde Mailand–München nicht mehr ausgetragen. Doch die Erinnerung an dieses Rennen bleibt lebendig: als Pioniertat über die Alpen, als Bühne für internationale Rivalität – und als Sinnbild einer Zeit, in der Radrennen technische Fortschrittsprojekte, sportliche Heldentaten und gesellschaftspolitische Symbolakte zugleich waren.Ein Vermächtnis für den Radsport
Trotz aller Skandale markierte Mailand–München einen Wendepunkt. Es zeigte, dass das Fahrrad selbst die Alpen bezwingen konnte. Der Sieg Fischers stand für den technischen Fortschritt, die Duelle mit Reheis für die Leidenschaft und Dramatik einer jungen Sportart. So bleibt Mailand–München ein Symbol für die Pionierzeit des Radsports: eine Mischung aus früher Distanzfahrt, sportlicher Grenzerfahrung und menschlichem Drama, die über Jahrzehnte nachwirkte und den Mythos bis heute lebendig hält. *Hinweis zur Strecke: Die beschriebene Linie ist die Referenzroute der letzten Ausgabe. Für 2027 prüfen wir sie bei Testfahrten neu; Verlauf, Länge und Höhenmeter können sich dabei ändern, ebenso wegen Witterung, Fahrbarkeit, Sperrungen oder behördlicher Auflagen. Wir achten darauf, dass Gesamtanstrengung und Fahrzeit im angekündigten Rahmen bleiben. Den finalen Track erhalten alle Teilnehmer:innen in der Eventwoche, zusammen mit dem Streckenhandbuch mit Versorgungs- und Kontrollpunkten – bewusst nicht früher, weil wir die Strecken kurz vor dem Start noch einmal prüfen.Mailand–München 2027: häufige Fragen
Wann ist Mailand–München 2027?
Gemeinsamer Start ist am Samstag, 31. Juli 2027, um 10 Uhr in Mailand. Check-in mit Tracker-Ausgabe ist am Vorabend, Freitag, 30. Juli, in Mailand. Die Finisherparty in München ist das offizielle Ende.
Wie lang ist die Strecke?
Rund 800 km und 14.000 Höhenmeter über die Alpen, durch Italien, Österreich und Deutschland – auf der Linie der Distanzfahrt Mailand–München von 1894. Die Angaben beziehen sich auf die Referenzroute der letzten Ausgabe; für 2027 prüfen wir sie neu, den finalen Track gibt es in der Eventwoche.
Wie ist das Gelände?
Asphalt und fester Schotter, Forstwege und grobe, lose Passagen im hochalpinen Kern – alpines Gelände mit Wetterumschwüngen. Pflicht sind Reifen ab 40 mm; wir empfehlen 45 mm oder mehr und eine sehr leichte Übersetzung.
Ist das ein Rennen? Gibt es ein Zeitlimit?
Nein. Es gibt kein Ranking und kein formales Zeitlimit. Die Finisherparty ist das offizielle Ende; wer später mit vollständig dokumentierter Strecke ankommt, ist genauso Finisher:in. Die Route ist so angelegt, dass realistisch bis zur Party ankommt, wer zuvor eine regionale Grevet-Serie erfolgreich gefahren ist – eine Garantie ist das nicht.
Ist die Fahrt selbstversorgt?
Ja. Du trägst, was Du brauchst, und versorgst Dich unterwegs selbst – einen Begleit-, Abhol- oder Rettungsdienst gibt es nicht. Alle fahren mit GPS-Tracker. Unser Medienteam ist auf der Strecke unterwegs, kann aber niemanden durchgehend begleiten.
Was brauche ich für die Teilnahme?
Langstreckenerfahrung auf dem Gravelbike – idealerweise eine erfolgreich gefahrene regionale Grevet-Serie. Für Mailand–München ist eine ärztliche Bescheinigung Pflicht, ebenso Versicherung, Licht und Ausrüstung für ein Notbiwak. Details stehen in Regeln und AGB.
Was kostet die Teilnahme?
Der Startplatz kostet solo ab 250 € (Frühbucher bis 28. Februar 2027, danach 265 €), im Duo 245 € und im Quartett 230 € pro Person – jeweils zuzüglich 50 € Tracker-Pfand (rückzahlbar).
Wie komme ich nach Mailand und von München zurück?
Mit Bahn oder Fernbus: Mailand und München sind gut ans Bahnnetz angebunden, auch mit Nachtzügen. Mehr in den Anreise-Infos auf dieser Seite.
Passt die Fahrt zu Dir?
Schreib uns über das Kontaktformular, gern mit ein paar Sätzen zu Deinem Hintergrund und Deinen Vorerfahrungen. Wir beraten Dich persönlich zu Vorbereitung, Ausrüstung und der Frage, ob diese Linie zu Dir passt.











