Orientierung

Vier historische Linien, vier sehr unterschiedliche Charaktere. Die Frage ist nicht, welche die „beste“ ist — sondern welche zu deiner Erfahrung, deinem Rad und dem passt, was du auf der Distanz suchst.

Wie wir mit den Klassikern umgehen

Jeder Supergrevet folgt einer echten historischen Linie aus den 1890er-Jahren — dem Beginn des Langstreckenradsports. Wir nehmen diese Strecken ernst: Wir fahren die originale Linie in ihrer historischen Richtung, statt sie zu einer bequemen Schleife umzubauen oder die Richtung willkürlich zu drehen. Mailand–München etwa fährt die Richtung von 1894 — von Süden über die Alpen nach Norden, nicht umgekehrt.

Das ist kein Detail für Historiker. Es bedeutet: echte Anfahrten, echte Pässe, echte Ankunftsorte — und an markanten Punkten die Erinnerung daran, dass hier vor über 130 Jahren schon einmal jemand ohne GPS, ohne Support und auf schwerem Stahl unterwegs war. Genau das unterscheidet einen Supergrevet von einem austauschbaren Gravel-Event zwischen zwei Städten.

Die vier Linien im Vergleich

Alle sind self-supported und rund 650–800 km lang. Der Unterschied liegt im Höhenprofil, im Untergrund, in der Logistik — und darin, was dich mental erwartet. Ein Klick führt zur jeweiligen Fahrt.

Wien–Triest · Seit 1892

Wien–Triest

Über die Berge ans Meer
650 km · 14.000 hm  ·  25. Juli 2026

Charakter: Die dichteste Kletterei im Programm — 14.000 Höhenmeter auf nur 650 km, viel Auf und Ab statt gleichmäßiger Anstiege. Über Alpen und Karst ans Meer, mit grandiosen, dreidimensionalen Panoramen.

Untergrund & Abfahrten: Bergiger Gravel; einzelne grobe Stellen kommen vor, sind aber nicht die Regel. Danach lange Abfahrten über den Karst.

Für wen: Wer Höhenmeter und Panoramen liebt und die kürzeste, aber steilste Linie sucht. Zu beachten: Hochsommer-Hitze im Juli.

Anreise: Start Wien, Ziel Triest — beide gut per Bahn erreichbar, auch für die Rückreise.

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Mailand–München · Seit 1894

Mailand–München

Über die Alpen nach Norden
800 km · 14.000 hm  ·  29. August 2026

Charakter: Der große Alpencross — lange Aufstiege und ein rund 175 km langer hochalpiner Kern. Tolle Panoramen, dreidimensionale Landschaften.

Untergrund & Abfahrten: Überwiegend Asphalt und fester Gravel, einzelne grobe Passagen; lange alpine Abfahrten nach den großen Pässen.

Für wen: Erfahrene Bergfahrer, die den großen Alpenüberquerungs-Charakter wollen — das anspruchsvollste der vier.

Anreise: Start Mailand, Ziel München — beide international per Bahn und Flug angebunden.

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Basel–Kleve · Seit 1894

Basel–Kleve

Dem Rhein nach Norden folgen
750 km · 6.000 hm  ·  26. September 2026

Charakter: Die flachste Linie. Weite, Wind und Rhein — die Herausforderung ist mental, nicht vertikal.

Untergrund & Abfahrten: Flach und rollend, kaum nennenswerte Abfahrten. Bei Nässe kann der Untergrund zäh werden.

Für wen: Ideal für die erste sehr lange Distanz — flach, planbar, ohne alpine Risiken. September ist kühler.

Anreise: Start Basel (top per Bahn), Ziel Kleve — Rückreise über Duisburg/Düsseldorf.

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Wien–Berlin · Seit 1893

Wien–Berlin

Zwischen den Hauptstädten
800 km · 7.000 hm  ·  Wieder 2027

Charakter: Rollend zwischen zwei Hauptstädten. Die Höhenmeter ballen sich an der österreichisch-tschechischen und der tschechisch-deutschen Grenze.

Untergrund & Abfahrten: Welliges Terrain. In trockenen Jahren gut fahrbar; bei Nässe neigt der Boden zu „peanut butter“.

Für wen: Wer eine ausgewogene Langdistanz ohne Hochalpen sucht. Nächste Ausgabe 2027.

Anreise: Start Wien, Ziel Berlin — beide per Bahn und Flug bestens erreichbar.

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Ein Wort zu Klettern und Abfahren

Auf Wien–Triest und Mailand–München entscheidet vor allem das Klettern über die Kondition — lange, teils steile Aufstiege über viele Stunden. Die langen Abfahrten danach sind teils steil und grob und kommen nach Stunden im Sattel; hier zahlen sich gute Bremsen, ausreichend Reifenvolumen und wache Konzentration aus. Auf Basel–Kleve und Wien–Berlin spielt beides kaum eine Rolle; dort ist der Wind der eigentliche Höhenmeter.

Frag dich selbst

Wie viele Höhenmeter am Stück verträgst du? Über 14.000 hm sind bei Wien–Triest und Mailand–München Pflichtprogramm; Basel–Kleve und Wien–Berlin bleiben mit 6.000–7.000 hm deutlich darunter.
Lange Aufstiege — oder gleichmäßiges Rollen? Klettern ist das Herz von Wien–Triest und Mailand–München; Flachland-Rhythmus prägt Basel–Kleve und Wien–Berlin.
Ist es deine erste sehr lange Distanz? Dann ist Basel–Kleve der zugänglichste Einstieg — flach, planbar, ohne alpine Risiken. Auch Wien–Berlin ist gut handhabbar, besonders in trockenen Jahren.
Wann kannst du? Wien–Triest ist Hochsommer (Hitze), Mailand–München Spätsommer, Basel–Kleve früher Herbst (kühler). Auch das Timing gehört zur Entscheidung.

Noch unsicher? Lies dich in die einzelne Fahrt ein — Wien–Triest, Mailand–München, Basel–Kleve, Wien–Berlin — oder stöbere in den Erlebnisberichten echter Fahrer.

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