Archiv · Fahrt

Wien–Graz–Triest 1892 überschritt Semmering und Karst — rund 500 km. Josef Sobotka siegte in 28:00:45.

Datum: September 1892. Distanz ca. 500 km. Sieger: Josef (auch Joseph) Sobotka aus Wien in 28:00:45. Starterzahl, Zahl der Ankommenden sowie Platz 2 und 3 sind offen.

Kennzahlen: 09/1892 · ca. 500 km · Starter/Ziel offen · Sieger Josef Sobotka · 28:00:45.

Was gesichert ist

  • Die Fahrt überschritt Semmering und Karst und wurde als großer Entwicklungsschritt des Straßenwettfahrens gewertet. (Allgemeine Sport-Zeitung, 27.01.1895, S. 69–70)
  • Die historische Formulierung „28 Stunden und 45 Sekunden“ bezeichnet 28:00:45, nicht 28:45:00. (ebenda)
„… bei der in dem Semmering und dem Karst zwei gewaltige Höhenzüge überwunden werden mussten.“

Allgemeine Sport-Zeitung, 27.01.1895, S. 69–70.

Die Ausgabe 1895

Drei Jahre später wurde zwischen Wien und Triest erneut eine Distanzfahrt ausgetragen. Ob es dieselbe Veranstaltung war, ist nicht belegt: Gleiche Endpunkte genügen dafür nicht, maßgeblich wären Veranstalter und Streckenführung, und beides ist offen.

  • 35 Fahrer starteten in Wien. (Friedenauer Lokal-Anzeiger, 26.06.1895, S. 1)
  • Sieger war Josef Fischer aus München in 24 Stunden 6 Minuten — ausdrücklich ohne Maschinenwechsel. (ebenda)
  • Zweiter wurde „Rehais“ in 27 Stunden 2 Minuten, Dritter Nobl. Hinter der Schreibweise steht Max Reheis, der 1894 bei Mailand–München ebenfalls hinter Fischer Zweiter geworden war. Seine Rennbiografie führt für den 23./24.06.1895 eine Fahrt über 500 Kilometer, bei der er hinter Fischer Zweiter wurde — damit ist die Gleichsetzung aus zwei unabhängigen Quellen gestützt. (Historisches Lexikon Wasserburg, Max Reheis) (ebenda)
  • Auch Köcher vom Radfahrerverein Friedenau startete — Sieger der Distanzfahrt Warschau–Kalisch–Warschau. Seine Platzierung nennt die Quelle nicht. (ebenda)
  • Datum und Distanz: 23./24.06.1895, rund 500 Kilometer. Dieselbe Quelle bezeichnet die Fahrt als „Triest–Wien“, also in umgekehrter Richtung — die Friedenauer Meldung lässt die 35 Fahrer dagegen in Wien starten. Welche Richtung 1895 gefahren wurde, ist damit offen. (Historisches Lexikon Wasserburg, Max Reheis; Friedenauer Lokal-Anzeiger, 26.06.1895)
  • Die Zeiten stammen aus einer telegrafischen Meldung und sind vorläufig. (ebenda)

Dass der Verzicht auf den Maschinenwechsel eigens erwähnt wird, zeigt zugleich, dass der Wechsel erlaubt und üblich war — wie bei Basel–Cleve 1894, wo Paragraf 6 der Ordnung Schrittmacher und Maschinenwechsel ausdrücklich gestattet.

Der Vergleich beider Ausgaben: Sobotka 1892 in 28:00:45, Fischer 1895 in 24:06, knapp vier Stunden schneller. Solange die Distanz von 1895 nicht belegt ist, bleibt das ein Hinweis und kein Beleg — weder für eine kürzere Linie noch für besseres Material oder den stärkeren Fahrer.

Was offen bleibt

  • Im Ausgangsmaterial steht „Wien–Graz–Triest“; verkürzende spätere Bezeichnungen wie „Wien–Triest“ dürfen nicht ungeprüft als offizieller Titel behandelt werden.
  • Ausschreibung, Tagespresse in Wien/Graz/Triest, Ergebnisliste, Reglement, Technik und mögliche Folgeauflagen sind noch aufzuarbeiten.

Quellen

Allgemeine Sport-Zeitung, 27.01.1895, S. 69–70. · Friedenauer Lokal-Anzeiger, Nr. 51, 26.06.1895, S. 1 (Ausgabe 1895). · Historisches Lexikon Wasserburg, Artikel „Max Reheis“ (Datum, Distanz und Platzierung 1895).

Sieger 1892: Josef Sobotka · Sieger 1895: Josef Fischer · Weitere Fahrer: Max Reheis, Alfred Köcher.
Heute fahren wir eine verwandte Linie: Distanzradfahrt Wien–Triest.
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