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Josef Fischer aus dem Bayerischen Wald war der dominierende deutsche Distanzfahrer der 1890er Jahre — Sieger von Wien–Berlin 1893, Mailand–München 1894, Wien–Triest 1895 und Paris–Roubaix 1896.
Josef Fischer (zeitgenössisch auch „Joseph“), geboren am 20.01.1865 in Atzlern bei Neukirchen beim Heiligen Blut, gestorben am 03.03.1953 in München. 1894 Mitglied im Velociped-Club Germania München. Er kam als unehelicher Sohn eines Häuslers zur Welt, verließ mit den Eltern früh den Bayerischen Wald und lernte Schmied; in diesem Beruf kam er in München mit dem Straßenradsport in Berührung. (Martin J. Freund, Passauer Neue Presse, 08.04.2017)
Was gesichert ist
- Sieger Wien–Berlin 1893, Mailand–München 1894 in offiziell 29:32:30 und Paris–Roubaix 1896. (ASZ 24.06.1894, S. 720–722; Illustrirte Zeitung 23.06.1894; Sergent/Fleuriel, 100 Paris–Roubaix, 2002, S. 24)
- 1895 gewann er die Fahrt zwischen Wien und Triest am 23./24.06. in 24 Stunden 6 Minuten, ausdrücklich ohne Maschinenwechsel; Zweiter wurde erneut Max Reheis. (Friedenauer Lokal-Anzeiger, 26.06.1895, S. 1; Historisches Lexikon Wasserburg)
- 1900 gewann er Bordeaux–Paris, 1903 fuhr er als einziger Deutscher die erste Tour de France und wurde Fünfzehnter. (de.wikipedia mit Nachweisen; Gegenprüfung offen)
- In Mailand–München benutzte er zwei Adler Nr. 20 mit unterschiedlichen Übersetzungen und Pneumatikreifen.
- Nach der aktiven Laufbahn lebte er in Paris und arbeitete als Chauffeur für aristokratische Kunden; im Ersten Weltkrieg kehrte er nach Deutschland zurück. (Sergent/Fleuriel 2002, S. 24)
Was offen bleibt
- Die bürgerliche Schreibweise ist „Josef“; „Joseph“ steht in mehreren unmittelbaren Pressetexten.
- Die Altersangabe 28½ in der Illustrirten Zeitung passt nicht exakt zum Geburtsdatum; Speers Tabelle nennt sogar 31 Jahre. Die Lebensdaten sind über Standes- und Melderegister noch abzusichern.
Nach der Karriere
Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn (1892–1904) ließ sich Fischer zunächst in Paris nieder und arbeitete dort als Chauffeur für adlige Kunden. Erst der Erste Weltkrieg zwang ihn, Frankreich zu verlassen und nach Deutschland zurückzukehren. Er überlebte beide Weltkriege und starb 1953 mit 88 Jahren in München.
Quellen
Allgemeine Sport-Zeitung, 24.06.1894, S. 720–722 · Illustrirte Zeitung, 23.06.1894 · Pascal Sergent / Sébastien Fleuriel, 100 Paris–Roubaix, 2002, S. 24. · Martin J. Freund, „Der schnellste Mann des Bayerischen Waldes“, Passauer Neue Presse, 08.04.2017 · Zu Pariser Zeit und Lebensende: cycling4fans.de und sport-90.de.
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