Archiv · Person

Der erste italienische Fahrer, der in diesem Archiv eine eigene Seite bekommt – und zugleich der Fall, an dem eine Zuschreibung geprüft werden musste.

Person und Forschungsfrage

Giovanni Gerbi, geboren am 4. Juni 1885 in Asti, gestorben am 7. Mai 1954 ebenda, in Italien als il Diavolo Rosso bekannt. Mit dreizehn kam er bei einem Fahrradmechaniker in die Lehre, der ihm ein Rad lieh; mit fünfzehn kaufte er mit Hilfe des Vaters ein Rennrad, 1901 zog er nach Mailand. Bis Jahresende hatte er dort rund ein Dutzend Rennen gewonnen. Berufsfahrer war er, mit Unterbrechungen, von 1902 bis 1932. Leitfrage: Wie wird aus einem Distanzfahrer ein nationaler Name?

Seine Laufbahn beginnt in der Werkstatt, wie die Josef Fischers in der Schmiede. Das Rad war für beide zuerst Arbeitsgerät, dann Beruf.

Was belegt ist

  • 1902 und 1903 Coppa del Re und Mailand–Turin
  • 1905 Sieger der ersten Lombardei-Rundfahrt, im selben Jahr italienischer Stehermeister
  • dreimal Giro del Piemonte
  • 1907 bis 1909 Sieger des Distanzrennens Rom–Neapel–Rom
  • Tour de France 1904, 1906 und 1908 (dort 20. der Gesamtwertung); Dritter des Giro d’Italia 1911 und 1912; letzter Giro 1932 mit 47 Jahren

Rücktritt 1921, ein Comeback-Versuch 1926 blieb erfolglos. 1982 widmete ihm Paolo Conte, wie Gerbi aus Asti, das Lied Diavolo Rosso. Angaben nach einer enzyklopädischen Zusammenfassung, die sich auf das Museo del Ciclismo stützt; nicht an einer Erstquelle geprüft.

Gran Fondo, Lombardei, Rom–Neapel–Rom

Kurz sah es nach einem Widerspruch aus: Die Siegerliste von Gran Fondo-La Seicento führt Gerbi für 1905, 1907 und 1908, während dieselben Jahre auch der ersten Lombardei-Rundfahrt und Rom–Neapel–Rom zugeschrieben werden. Die Prüfung an der Austragungsliste der Seicento löst das auf: Es sind verschiedene Rennen derselben Saisons. Gerbi gewann 1905 die Seicento und die erste Lombardei-Rundfahrt, 1907 und 1908 erneut die Seicento, dazu 1907 bis 1909 Rom–Neapel–Rom.

Was bleibt, ist eine Verwechslungsmöglichkeit mit einem Giovanni Cervi, der in italienischen Ergebnislisten derselben Jahre vorkommt. Wo in diesem Archiv Gerbi steht, ist Gerbi gemeint; wo eine Quelle Cervi nennt, wird sie nicht stillschweigend korrigiert.

Bezug zum Distanzfahren

Gerbis Jahre fallen in die Zeit, in der die italienische Fernfahrt ihre feste Form bekommt: die Gazzetta veranstaltet, Tullo Morgagni erfindet die Rennen, und aus einzelnen Distanzfahrten wird ein Kalender. Er ist damit kein Pionier der 1890er Jahre, sondern einer der ersten Fahrer, deren Laufbahn schon in dieser Struktur verläuft – und einer der wenigen, die Distanzrennen, Bahn und Rundfahrt in einer Karriere verbinden.

Was offen bleibt

Neben der Zuordnung der Siege von 1905 bis 1909 sind die Streckenlängen von Rom–Neapel–Rom in seinen Siegerjahren offen, ebenso die Frage, ob er bei Mailand–München oder anderen grenzüberschreitenden Fahrten dieses Archivs antrat.

Verwandt: Rom–Neapel–Rom · La Gran Fondo · La Gazzetta dello Sport · Tullo Morgagni
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