Archiv · Person
Der italienische Giffard: ein Redakteur, der Rennen nicht beschrieb, sondern erfand – Mailand–Sanremo und den Giro d’Italia.
Person und Forschungsfrage
Tullo Morgagni (1881–1919), Journalist der Gazzetta dello Sport in Mailand. Von ihm stammen die Vorschläge, aus denen zwei der größten italienischen Rennen wurden. Leitfrage: Wer entscheidet, dass es ein Rennen geben soll? Bei Giffard und Desgrange war es die Blattleitung; hier ist es ein Redakteur, dessen Idee die Leitung erst übernehmen musste.
Bezug zum Distanzfahren
Mailand–Sanremo ist eine Distanzfahrt in der Form des 20. Jahrhunderts: knapp 300 Kilometer an einem Tag, auf gewöhnlichen Straßen, von Stadt zu Stadt – also genau an jener Schwelle, von der an die Zeitgenossen der 1890er Jahre von einer Distanzfahrt sprachen. Der Giro dagegen ist der italienische Schritt vom Ereignis zum Kalender, derselbe Schritt, den Desgrange 1903 in Frankreich getan hatte. Beides geht auf denselben Mann zurück.
Damit lässt sich die Reihe dieses Archivs nach Süden verlängern: Die Fernfahrt als Zeitungsformat wandert von Paris und Bordeaux über Stockholm und Berlin nach Mailand, und sie wird dabei fester, regelmäßiger und institutioneller – siehe Presse und Organisation.
Was offen bleibt
Die Zuschreibung beider Rennen an Morgagni ist in der Literatur verbreitet, hier aber nicht an einer Erstquelle geprüft; überliefert ist unter anderem ein Telegramm, mit dem er den Giro vorgeschlagen haben soll. Auch sein Tod 1919 bei einem Flugzeugunglück ist hier nur referiert. Beides gehört belegt, bevor daraus im Buchzusammenhang etwas folgt.
Verwandt: La Gazzetta dello Sport · Pierre Giffard · Henri Desgrange
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