Archiv · Institution

Die britische Straßenlobby wurde 1886 von Radfahrern gegründet. Zwanzig Jahre später arbeitete sie für das Automobil – auf denselben Straßen, mit denselben Argumenten.

Die Roads Improvement Association entstand als gemeinsame Einrichtung der beiden britischen Radfahrerorganisationen, des Cyclists’ Touring Club und der National Cyclists’ Union. Ihr Zweck war schlicht: bessere Straßendecken. Radfahrer waren die ersten, die auf gewöhnlichen Landstraßen schnell unterwegs waren, und damit die ersten, denen Schotter, Schlaglöcher und Staub als Problem auffielen.

Warum das hierher gehört

Die Fahrten dieses Archivs liefen auf den Straßen der Zeit, und deren Zustand bestimmte sie mehr als jede andere Größe – siehe Der Luftreifen und Das Fahrrad als Verkehrsmittel der Moderne. Die Association ist der Fall, an dem sich zeigt, dass es dabei nicht nur um Technik ging, sondern um Politik: Wer die Straße benutzen will, muss ihren Ausbau durchsetzen.

England ist dafür der früheste klare Fall, und er passt zum Rest des britischen Bestands in diesem Archiv: der North Road Club, die Rekordstrecke Land’s End – John o’Groats und die Fahrer, die 1891 nach Frankreich gingen, um dort Bordeaux–Paris zu gewinnen.

Die Wendung

Nach 1900 übernahmen motorisierte Interessen die Organisation; ihr langjähriger Sekretär William Rees Jeffreys wurde zu einer der zentralen Figuren der britischen Straßenpolitik des Automobilzeitalters. Die Infrastruktur, die Radfahrer erstritten hatten, kam damit einem Verkehrsmittel zugute, das sie wenig später von denselben Straßen verdrängte. Dieselbe Umbesetzung lässt sich an einer Person zeigen: Pierre Giffard veranstaltete 1891 die Fernfahrt für das Fahrrad und 1894 das erste Automobilrennen.

Was offen bleibt

Zu belegen sind das Gründungsdatum und die Gründungsbeteiligten, der genaue Zeitpunkt des Wechsels zu motorisierten Trägern und die Frage, ob es auf dem Kontinent Entsprechungen gab – in Deutschland etwa über den Deutschen Radfahrer-Bund, in Frankreich über den Touring Club de France. Für das deutsche Gegenstück liegt bisher nur ein Hinweis vor: die Prozesse und Pressekampagnen T. H. S. Walkers für die Verkehrsfreiheit in Berlin.

Literatur

Carlton Reid, Roads Were Not Built for Cars (Island Press 2015), ist die Standarddarstellung dieses Zusammenhangs und der Einstieg in die Quellen. Dieses Blatt gibt bisher den Umriss wieder; die Gründungsunterlagen der Association sind nicht eingesehen.

Verwandt: Das Fahrrad als Verkehrsmittel der Moderne · North Road Club · T. H. S. Walker
Zurück zum Distanzfahrten-Archiv.