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Der Turiner Physiologe, der die Ermüdung messbar machte – mit dem Ergographen und dem Buch La fatica (1891). Seine Frage: Wie lange kann ein Mensch Arbeit leisten, und was begrenzt seine Leistungsfähigkeit?

Person und Forschungsfrage

Angelo Mosso (1846–1910), Physiologe in Turin, untersuchte die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit – körperliche wie geistige Ermüdung. Dieselbe Frage trieb die Distanzfahrten um: Wie weit trägt der Körper?

Ausgebildet wurde Mosso u. a. bei Carl Ludwig in Leipzig (1874/75) – einem der vier Begründer der physikalischen Physiologie (mit Helmholtz, du Bois-Reymond und Brücke, der „Helmholtz-Schule“ von 1847) – und perfektionierte die grafische Methode bei Étienne-Jules Marey in Paris. Damit stand er in deren Tradition: den Körper physikalisch-chemisch als messbares energetisches System zu begreifen. Für seine Muskelphysiologie griff er auf Helmholtz’ Arbeiten zu Wärme, Arbeit und Energieumwandlung zurück (direkt bei Helmholtz studierte er nicht).

Bezug zum Distanzfahren

Dieser Bezug ist eine historische Einordnung, kein Beleg für eine Zusammenarbeit: Es ist nicht nachgewiesen, dass Mosso gerade die großen Distanzfahrer untersucht hat. Was die Distanzfahrer am eigenen Leib erprobten, vermaß Mosso im Labor – aber an eigenen Versuchspersonen, nicht an diesen Rennfahrern.

Als Koinzidenz berühren zwei seiner Orte eure Linien: Turin, Mossos Labor, ist das Ziel von Mailand–Turin 1876; und Basel, wo Mosso 1889 beim ersten Internationalen Physiologenkongress den Ergographen vorstellte, ist der Ausgangspunkt der historischen Basel–Kleve 1894 (und der heutigen Grevet-Linie). Beides sind Knotenpunkte von Distanzfahrt-Linien – ohne belegten Bezug zu den Rennen selbst.

Mosso am Berg

Mosso war zugleich ein Pionier der Höhenphysiologie. 1893 richtete er auf dem Monte Rosa das Hochgebirgslabor an der Capanna Regina Margherita (4.559 m) ein; sein Werk Fisiologia dell’uomo sulle Alpi. Studi fatti sul Monte Rosa (Treves, Mailand 1897, auch deutsch und englisch) begründete die Höhenphysiologie und die Bergmedizin. Das verbindet ihn mit euren Alpen-Linien – Mailand–München, Wien–Triest, Rund um die Gletscher –, die mehrfach über 2.000 Meter führen: Was der Körper in der Höhe leistet, war Mossos Gegenstand.

Begriffe und Methoden

Der Ergograph zeichnete die mechanische Arbeit eines Muskels bis zur Erschöpfung auf und machte Ermüdung damit als Kurve sichtbar. In La fatica (Treves, Mailand, 1891) behandelte Mosso körperliche und geistige Ermüdung als zusammengehörig.

Historische Grenzen

Mossos Erklärungen sind zeitgebunden und dürfen nicht als heutige Trainingslehre gelesen werden. So deutete er 1898 die Höhenkrankheit falsch – als Folge eines Auswaschens von Kohlendioxid („Acapnia“) statt des Sauerstoffmangels. Sein Wert liegt in der Fragestellung und der Methode, nicht in den damaligen Schlussfolgerungen.

Quellen

Angelo Mosso, La fatica, Treves, Mailand 1891, und Fisiologia dell’uomo sulle Alpi (Treves, Mailand 1897, Digitalisat); zum Basler Kongress 1889 und zum Ergographen die IUPS-Gedenkdarstellung (Advances in Physiology Education); zur Ausbildung bei Carl Ludwig und zur Leipziger physikalischen Physiologie „Carl Ludwig and the Leipzig Physiological Institute“ (Circulation, 1986).

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